Naturmärchen

Von Ulla Steinebach, Januar 2014

Fachwissen allein reicht nicht aus, um das Wunderwerk der Natur zu begreifen. Wir müssen uns mit Gefühl und Phantasie in sie hinein versetzen, sie nachempfinden. Nur dann sprechen wir mit ihr in einer Sprache. Alle Märchen dieses Buches, lassen uns teilhaben an der Erlebniswelt der Tiere im Garten, im Teich, in Wiese und Wald und sogar im Haus. Dabei vermitteln sie eine Menge Sachwissen, locken nach draußen und vertiefen das Naturerlebnis.

Als Bindeglied zwischen Realität und Märchenwelt wird jedem Märchen eine Beschreibung des Beobachtungsortes vorangestellt.

Diese Aufgabe erfüllt Marlies Weiß-Bürger als Biologielehrerin in besonderer Weise. Ihre Arbeit als Naturpädagogin am Biologischen Zentrum in Lüdinghausen ließ sie in der Gestaltung der Kinder- und Jugendarbeit unschätzbare Erfahrungen sammeln. Der Buchtitel ist auch der Titel des ersten Märchens und erklärt sich hier als Losungswort eines Bienenstocks, aus dem die Geschichte des Heranwachsens einer jungen Biene mit ihren unterschiedlichsten Aufgaben in ihrem Volk entsteht. Detailgetreu und aus der genauen Beobachtung heraus entstanden die weiteren Märchen ebenfalls aus dem Reichtum der Natur und dem Erleben. Meine liebste Geschichte ist das Märchen »Spuren im Holz«, das in einem Zwiegespräch zwischen Frau Rüssler und Frau Buchdrucker, zwei Borkenkäferweibchen, in kindgerechter und humoriger Weise die Problematik des Waldsterbens erahnen lässt.

Dieses Buch eignet sich gut als Erweiterung des Repertoires zu den sinnigen Geschichten, die in den ersten beiden Jahren der Schulzeit gerne erzählt werden. Aber auch im Elternhaus als Vorleselektüre für Klein und Groß ist dieses Buch hervorragend geeignet. Hinzu kommen die wunderbaren Bilder der Künstlerin Ria Maris, die jedes der Märchen begleiten.

Marlies Weiß-Bürger: Apfelblütenhonigfest: Märchen aus der Natur. Kinder- und Jugendliteratur, geb., 100 S., EUR 14,80, Agenda Verlag, Münster 2011