Neuer Schwerpunkt späte Kindheit

Von Frodo Ostkämper, Juli 2016

Die Freie Fachschule für Sozialpädagogik Berlin.

Foto: © kallejipp / photocase.de

Pädagogische Einrichtungen werden nicht nur von ihrer Zeit geprägt, sie können diese auch mitgestalten. Ebenso antworten Ausbildungsstätten auf Veränderungen in den pädagogischen Feldern und initiieren diese mit.

Was brauchen Erzieher und Erzieherinnen für morgen? Sucht man zeitgemäße Antworten darauf, was Erziehungsfähigkeit ausmacht, ist es sinnvoll, nach pädagogischen Feldern und den jeweiligen Altersgruppen zu unterscheiden. Zudem gilt es, die Rahmenbedingungen von Kindheit heute, Erwartungen an pädagogische Institutionen und die Bedürfnisse von Familien im Blick zu haben. Neben allgemeinen Themen wie dem reflexiven Umgang mit der eigenen Biographie, dem Erschließen schöpferischer Kräfte oder der Entschlüsselung von Entwicklungsphänomenen über die gesamte Lebensspanne will die Freie Fachschule für Sozialpädagogik auf die spezifischen Erfordernisse unterschied­licher Altersgruppen und Handlungsfelder vorbereiten. Dafür kann man sich künftig ab dem zweiten Ausbildungsjahr entweder auf die Arbeit mit dem »Kindesalter« oder auf die »späte Kindheit« spezialisieren. Mit dem neuen Schwerpunkt »Späte Kindheit« werden vor allem Erlebnispädagogik, Handwerk, Zirkuspädagogik, Umgang mit Medien und Bewegungsangebote sowie Sexualpädagogik Bestandteile der Ausbildung sein.

In Bezug auf die Möglichkeiten der Ganztagsschule stellt sich die Frage nach den Fähigkeiten, die Erzieherinnen und Erzieher mitbringen sollten, um auf Augenhöhe mit dem Lehrerkollegium die Schule als Lebensraum für Heranwachsende mit zu gestalten. Neben den Herausforderungen der Kooperation verschiedener Berufsgruppen gehört dazu, die Rolle, die Pädagogen für Heranwachsende unterschiedlicher Altersgruppen spielen, zu klären. Dem wachsenden Autonomiebedürfnis der Kinder und Jugendlichen ist dabei ebenso Rechnung zu tragen wie einem gesunden Atmen zwischen der Unterrichtsform und Zeiten und Räumen, in denen Kinder und Jugendliche selbstbestimmt agieren und sich entfalten können. Die Aufgaben von Erziehenden in der Ganztagsschule und im Hort bewegen sich zwischen Raum gebenden und Halt gebenden Qualitäten: Die Kinder und

Jugendlichen brauchen einerseits Freiraum und Unterstützung für ihre Initiativen und Themen, andererseits sind Beziehungen und eine Struktur als Rahmen gefragt. Mögliche Gestaltungsfelder von Erziehern in der Ganztagsschule sind Projekte, Werkstätten, Schülerinseln, die Berufsorientierung, die Mitwirkung an der Selbstverwaltung und auch Kooperationen mit außerschulischen Akteuren mit dem Ziel, Heranwachsende auf ihrem eigenen Weg zu bestärken.

Neben dem Ganztags- oder Hortbereich sehen wir noch weitere Felder, in denen zukünftige Erzieher mit einem guten Blick für die späte Kindheit und Jugend wirksam werden können. In der Kultur- und Freizeitpädagogik, der offenen Jugendarbeit, der stationären Jugendhilfe, in Schulverweigererprojekten oder der Berufsbildung liegt noch ein großes Potenzial, durch waldorfpädagogische Impulse an der Zukunft mitzuwirken.

Zum Autor: Frodo Ostkämper studierte Erziehungswissenschaft, Soziologie, und Medienwissenschaft und arbeitet als Dozent und Schulleiter an der Freien Fachschule für Sozialpädagogik Berlin.

freie-fachschule-berlin.de

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