Schlechtes Vorbild

Von Petra Eggershausen, Mai 2016

Leserbrief zu dem Artikel: »Wer erzieht hier wen?« von Valentin Wember, Erziehungskunst, September 2015.

Valentin Wember beschreibt die Wichtigkeit des »Lernens durch Nachahmung« für die Entwicklung eines tiefgreifenden Interesses bei den Kindern. Doch das Prinzip des »Nachahmens« und dieser »seelische Aufrichte-Prozess« finden ja nicht nur in der Schule, sondern vor allem auch schon im frühkindlichen Bereich statt.

Was heißt das für die »Kleinsten«? – Da meistens beide Elternteile arbeiten, beginnt schon morgens für die meisten Kinder ein hektischer, unruhiger Tag. Die Eltern sind gestresst, weil sie pünktlich zur Arbeit kommen und vorher die Kinder abgeben müssen. Die Betreuungseinrichtungen geben ihr bestmögliches, doch die hohe Anzahl der Kinder und der niedrige Personalschlüssel erlauben es den Pädagogen oft nicht, in Ruhe und Gelassenheit jedem einzelnen Kind gerecht zu werden. Der Druck und oft auch die Hetze gehen weiter. Dieses setzt sich dann fort, meistens kommen die Mütter gestresst, kaputt die »Kleinen« wieder abholen, erledigen dann den Haushalt, den Einkauf, oder folgen ihren eigenen Interessen.

Was leben wir in diesem Sinne unseren Kindern vor? – Wenn ich einen Tagesablauf eines kleinen Kindes in Bezug auf die Nachahmung betrachte, wundert es mich nicht, dass die Anzahl der »Burnout-Kids« extrem zunimmt!

Ist es nicht unsere Aufgabe als Eltern und Pädagogen, dem Einhalt zu gebieten, zu schauen, was wir unseren Kindern und auch uns selber mit dieser Art von Leben antun?

Es ist an der Zeit, die Kinder neu zu betrachten, sie als Individuen zu sehen, wahrzunehmen und zu lieben. Ehrlich uns gegenüber zu sein, welches Leben wir uns für unsere Kinder und auch für uns selber wünschen!

Natürlich können wir nicht alles hinwerfen, doch dieses in unser Bewusstsein zu nehmen und den ersten Schritt zu tun, das ist ein Anfang – ein Anfang für unsere Kinder und vor allem auch für uns selber – denn wir sind doch die Vorbilder!

Wie schön ist es doch Mutter und Vater zu sein! Das vergessen wir in dieser Gesellschaft leider viel zu oft.

Es ist an der Zeit, uns wieder an das Glück zu erinnern, ein Kind, unser Kind, als Geschenk zu betrachten! Und für dieses und auch für uns selber da zu sein!

Zur Autorin: Petra Eggershausen ist Waldorfpädagogin und Architektin

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