Die Bewusstseinsseele überwindet den Neoliberalismus

Von Siegfried Geier, Juni 2017

Angesichts der gegenwärtigen Krisen nimmt vielerorts die Besorgnis bezüglich des Weltfriedens zu.

Auf politischer Ebene werden die Friedensappelle und allgemeine Forderungen, wie etwa die nach »sozialer Gerechtigkeit« lauter. Wer ein Verständnis der Ursachen der gegenwärtigen Krisen sucht, wird beim Lesen dieses Buches reichlich Anregungen finden. Brunner legt ausführlich dar, wie die gegenwärtige Weltlage eng mit der Entwicklung der Menschheit verknüpft ist, sodass die Krisen im Äußeren wie Spiegelbilder ihrer derzeitigen seelisch-geistigen Verfassung erscheinen. Das Prinzip des Neoliberalismus, der das heutige Staats- und Wirtschaftssystem mehr oder weniger bestimmt, impliziert die Utopie, der Mensch hole den Antrieb zu seiner Arbeit aus dem Eigennutz. Die dem Neoliberalismus zugrundeliegende Sozialwissenschaft vertraut auf die »unsichtbare Hand« des Marktes: Die höchste Produktivität und der größte Wohlstand entstehen, wenn die Wirtschaftenden im Sinne des Konkurrenzdenkens nach ihrem eigenen Vorteil streben. In diesen Vorgang soll möglichst nicht eingegriffen werden, damit der Wettbewerb sich ungestört entfalten kann. Doch die immer größer werdende Schere zwischen Arm und Reich und die damit verbundenen sozialen Katastrophen erfordern wiederum ein Eingreifen. Hier schieben die Neoliberalen dem Staat die Verantwortung zu, der durch Umverteilung die so entstandenen Notstände ausgleichen soll.

Mit dem Erwachen der von Rudolf Steiner beschriebenen Bewusstseinsseele kann dieser Dualismus – zwischen der Entfaltung des Egoismus und dem Staat, der durch Zwangssteuern Vernunft in die Welt bringen soll – überwunden werden. Wird die Bewusstseinsseele ausgebildet, wird das Individuum voll verantwortlich. Der aus Erkenntnis handelnde Mensch kann, sofern er die Verhältnisse zwischen Konsum, Handel und Produktion kennt, Solidarität innerhalb der Wirtschaft üben. Welche Bedeutung bei diesem Prozess einem von Staat und Wirtschaft unabhängigen Kultur- und Bildungsleben zukommt, wird von Brunner umfassend erläutert. Allein ein kulturelles Leben, das innerhalb einer freien Zivilgesellschaft zur Entfaltung kommen darf, vermag das einseitige Menschenbild des Neoliberalismus zu überwinden und unser Wirtschaftsleben neu zu impulsieren.

Thomas Brunner: Der Neoliberalismus und die Bewusstseinsseele, Klappenbroschur, 258 S., EUR 16,80, Edition Immanente, Berlin 2016

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