Waldorfschule Rendsburg erwägt Antrag auf Insolvenz

Oktober 2017

Der Interimsvorstand der Freien Waldorfschule Rendsburg erwägt einen Antrag auf Insolvenz beim Amtsgericht Neumünster. Das teilt der Vorstand des Trägervereins, der in enger Abstimmung mit der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Waldorfschulen in Schleswig-Holstein (LAG) und dem Bund der Freien Waldorfschulen (BdFWS) agiert, am heutigen Mittwochabend den Eltern der Schule mit.

»Die Gründe sind ein strukturell bedingter Schülerzahlenrückgang in den letzten Jahren, Finanzierungslücken im Bereich der Pensionszusagen sowie dringend notwendige Instandhaltungsmaßnahmen, die der Schule zu schaffen machen«, sagt der Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG), Thomas Felmy.

Ein um die Entlassung eines Mitarbeiters im September 2014 entstandener Konflikt hatte zu einer tiefen Spaltung der Schulgemeinschaft geführt. Auf dringende Empfehlung von LAG und BdFWS hatten sich Schulleitung und Trägerverein darauf verständigt, übergangs- weise einen externen Interimsvorstand und eine externe Schulleitung zu installieren, um das angeschlagene Schiff wieder auf Kurs zu bringen. »Wir haben bewusst nach Menschen gesucht, die nicht aus Schleswig-Holstein kommen, aber einen guten Ruf als Krisenmanager in der Waldorf-Welt haben«, sagt Bundesvorstandsmitglied Henning Kullak-Ublick.

»Mit Detlev Schiewe aus Hannover, Klaus-Michael Maurer aus Harburg und Matthias Zaiser aus Hamburg haben wir drei sehr erfahrene Kollegen als Vorstände vorschlagen können, die neben ihrem pädagogischen auch ihr kaufmännisches Knowhow eingebracht haben. « Erweitert wurde der Kreis um Otto Ohmsen (Interims-Schulleiter) und Benjamin Kohlhase als Interims-Geschäftsführer.

»Wir sind gerufen worden, einen sozialen Konflikt zu lösen«, so Interimsvorstand Klaus-Michael Maurer. »Im Zuge der Aufarbeitung fanden wir erhebliche Deckungslücken in der Altersversorgung und bauliche Mängel vor, die dringenden Sanierungsbedarf zur Folge haben. Hinzu kam ein demografisch bedingter Schülerzahlenrückgang, weil die aus der Schule herauswachsenden Klassen größer waren als es die neu eingeschulten Klassen heute sind.«

Dr. Peter Gramsch, Fachanwalt für Insolvenzrecht, den die Schule als Berater hinzugezogen hat, ergänzt: »Noch prüft die Schule einen Rettungsschirm über Stiftungen und den Bundesverband. Sollte der nicht zustande kommen, wird der Trägerverein wahrscheinlich Ende Oktober einen Insolvenzantrag stellen, da bei einer frühzeitigen Antragstellung im Stadium der bloß drohenden Zahlungsunfähigkeit die besten Sanierungschancen bestehen und der Schulbetrieb ohne Einschränkungen bestehen bleiben kann. « Schüler, Eltern und Lehrer müssen sich also keine Sorgen um den regulären Schulbetrieb machen, zumal die Schule derzeit nicht zahlungsunfähig ist.

Quelle: Bund der Freien Waldorfschulen

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