Karl ist ein sympathischer Kerl, ein wenig in sich gekehrt, aber trotzdem selbstbewusst, schlau und auch einigermaßen sportlich. Er trägt die dunkelblonden Haare bis über die Ohren und hat lustige Sommersprossen. Der Film beginnt mit einer Szene in der improvisierten Dunkelkammer, die sich der Junge zu Hause im Badezimmer eingerichtet hat. Sein Hobby ist die analoge Schwarz-Weiß-Fotografie. Der Raum ist abgedunkelt, nur von einer rot gefärbten Glühbirne schal beleuchtet. Geschickt hantiert Karl mit Negativfilmstreifen, Vergrößerungsapparat und Fotochemikalien. Karl ist dabei ein Bild zu vergrößern, das er von seiner Angebeteten gemacht hat. Während er das Fotopapier vorsichtig im Entwicklerbad bewegt, erscheint nach und nach ihr freundlich blickendes Konterfei.
Filmemacher Bernd Sahling führt mit diesem magischen Moment in die Geschichte ein, die von universellen Entwicklungsschritten erzählt: vom Sich-Verlieben, vom Einander-näher-Kennenlernen, vom Sich-selbst-Finden. Besonnen und leise erzählt Sahling. Er zieht das Alltägliche, das dokumentarisch Anmutende dem Aufgeregten, Lauten oder Grellen vor.
Erwachsene sind in Ab morgen bin ich mutig eher Nebensache. Drehbuchautor Sahling schickt die Mutter auf Theatertournee, der Vater ist Fotograf und auch unterwegs, die Tante kommt nur sporadisch vorbei. Karl und Tom sind drei Wochen auf sich gestellt, als Selbstversorger mit Pizza und Ravioli. In der Jungs-WG kann Karl sich ganz auf seine neuen Gefühle konzentrieren. Und auf seine Lieblingsbeschäftigung: Er fotografiert die Schulband, seine Klassenkamerad:innen und Lea mit ihrer Tanzgruppe. Die Kinderdarsteller:innen spielen ihre Filmfiguren überaus glaubwürdig. Sahling ist ein erfahrener Regisseur von Kinderfilmen. Er ist auch in der Medienbildung an Schulen tätig. So kam wohl auch die Idee zustande, dass Karls Klasse auf einer Projektfahrt einen Interview-Film dreht. Als Thema einigen sich die Teenager auf ein naheliegendes Thema: Voll verliebt. Die Videokamera führt, na klar, Karl. Da kommen nun doch noch ein paar Erwachsene ins Spiel. Die Schüler:innen befragen Bewohner:innen eines Seniorenheims, Passant:innen und ihre Lehrer:innen nach deren erstem Verliebtsein.
Die dramaturgischen Kniffe «Foto im Film» und «Film im Film» verdichten das Thema nach und nach, insbesondere natürlich, wenn die Teenager einander gegenseitig befragen. Auch für Karl nimmt seine Liebesgeschichte eine unerwartete Wendung. Ich empfehle Ab morgen bin ich mutig (Deutschland, 2025, 80 Minuten) ab 12 Jahren.
Der Film ist ab sofort als VOD erhältlich: https://vimeo.com/ondemand/abmorgenbinichmutig
Im Bereich Medien auf der Webseite der Erziehungskunst können Sie alle bislang veröffentlichten Filmempfehlungen für Kinder und Jugendliche nachlesen.
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