Ausgabe 11/26

Alte Meister in jungen Köpfen

Sarah Zelt


Joshua, genannt «Rembrandt», Sergio und Dylan sind drei Freunde mitten in der Pubertät. Sie sind sehr unterschiedlich, können sich aber auf «schöne Kunst» einigen: Joshua zeichnet, skizziert und malt – eben wie «Rembrandt». Zugleich suchen alle drei ihren eigenen Umgang mit Sexualität. Sergio gibt sich offen und schamlos, Dylan sieht sich als Beschützer von Lindsey, einem Mädchen aus der Klasse, das mit seinem Auftreten die Blicke auf sich zieht. Joshua dagegen weiß nicht so recht, was er empfindet. Er spürt nur, dass Lindsey ihn völlig verwirrt: ihr Verhalten, ihr Aussehen, ihre Wirkung auf ihn – ganz gleich, ob sie vor ihm steht oder er nur an sie denkt. Als sie ihm anbietet, Modell zu stehen, verändert sich langsam alles. Ob zum Guten, bleibt ungewiss.

Erna Sassen hat mit Such dir keinen besten Freund einen fast 300-seitigen Stream of Consciousness geschrieben, der nahezu ungefiltert Gedanken, Gefühle und vor allem das Chaos in einem männlichen Teenagerkopf beschreibt. Joshuas Sicht auf sein Umfeld, seine vielen offenen Fragen sowie die Reproduktion von Sexismus und Homophobie, die ihn umgeben, werden schonungslos sichtbar. Eine Einordnung seiner Erlebnisse durch Figuren oder Gegenstimmen bleibt jedoch weitgehend aus, was die Geschichte teilweise schwer erträglich macht. Sensible Themen wie sexuelle und häusliche Gewalt, patriarchale Sozialisierung und Homophobie treffen die jugendlichen Lesenden ohne Vorwarnung oder Kontextualisierung. Leise Gegenargumente, etwa durch den großen Bruder, werden mit einer trotzigen Haltung im Sinne von «Das wird man ja noch sagen dürfen» abgewehrt. So bleibt wenig Raum für differenzierte Auseinandersetzung. Besonders problematisch wird es, wenn positive Entwicklungen wie die Annäherung zwischen Lindsey und Joshua patriarchalen Mustern folgen und gerade die weibliche Hauptfigur in eine stereotype Opferrolle gedrängt wird. Das schwächt auch die wenigen sanften Momente der Geschichte.

Die Gestaltung des Buches ist dagegen durch die Bilder von Martijn van der Linden aufwendig und ansprechend. Gleichzeitig bleibt die Debatte um Kunst und Schönheit durchgehend einem überraschenden Konservatismus verhaftet. Trotz des frischen und durchdachten äußeren Erscheinungsbildes ist der Jugendroman daher leider keine Empfehlung.

Erna Sassen: Such dir keinen besten Freund. 272 Seiten, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2025, 20 Euro. Empfohlen ab 16 Jahren.

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