Wir mussten miterleben, dass solche anthroposophischen Initiativen sehr schnell versandeten und der mehrheitliche Wunsch der Ostdeutschen, in der Bundesrepublik aufzugehen, obsiegte.
Andre Bartoniczek, Lehrer für Geschichte und Deutsch, zeichnet in 1989 – Der unvollendete Aufbruch Initiativen nach, die vor, während und kurz nach der Friedlichen Revolution 1989 neue politische Formen und eine Alternative zum Kapitalismus suchten.
Bartoniczeks Ansatz liegt bei der Individualität. Folgerichtig stützt er sich vor allem auf 18 Interviews von Zeitzeug:innen, die damals – unter der Überwachung durch die Stasi – Ideen entwickelten, wie ihr Staat besser werden könnte. Henrich etwa plädierte dafür, dass die im Staatssozialismus Lebenden ihre Angst überwinden und Zivilcourage zeigen. So empfahl er die Schaffung freier Schulen – sie wurden nach dem Zusammenbruch ab 1990 realisiert. Aber die wirtschaftlichen Aspekte der Dreigliederung, etwa das («geschwisterliche») Aushandeln durch Assoziationen, haben sich nicht verwirklicht. Das Zeitfenster für innovative Kühlschränke mit klimaschonender Technologie, durch die Initiativkraft Einzelner nach dem Untergang der DDR vorangetrieben, schloss sich im kapitalistischen System bald.
Mit der Frage nach alternativen Entwürfen der Protestbewegungen zielt Bartoniczek auf historische Impulse, die auch von dem Werk Rudolf Steiners angeregt waren – das ist neu –, aber nicht wirksam wurden.
Andre Bartoniczek: 1989 – Der unvollendete Aufbruch. Die Revolution und ihre Gegenwart. 272 Seiten, Schwabe Verlag, 2025, 48 Euro.
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