In der jüngsten Vergangenheit waren es vor allem der Geschichts- und der Englischunterricht sowie der Einfluss von beziehungsweise der Umgang mit Medien und KI, die zum Inhalt von Forschungsprojekten geworden sind. Darüber hat auch die Erziehungskunst immer wieder berichtet. «Das waren wirklich große Umwälzungen, in die viel Kraft und Zeit geflossen sind. Der Aufwand hat sich aber gelohnt. Den Lehrkräften steht jetzt deutlich besseres Material für ihren Unterricht zur Verfügung», sagt Palmetshofer. Für ihn gehört der beständige Blick auf die Gegenwart und das, was sie vom Menschen fordert und braucht, unbedingt mit dazu, wenn es darum geht, die Schule von morgen mitzugestalten. Aus diesem Grund müssten auch Traditionen und gewohnte Unterrichtsmaterialien ständig hinterfragt werden. Denn was den heutigen Menschen, zum Beispiel den Kollegien in den Schulen längst zur Tradition geworden ist, wurde zu Steiners Zeit neu geschöpft. «Ich glaube, das müssen wir uns insgesamt viel mehr zur Aufgabe machen, das Neu-Schöpfen für unsere Zeit. Da versuchen wir als Forschungsstelle einen Beitrag zu leisten, indem wir fortwährend neue Projekte und Materialien initiieren», sagt Palmetshofer.
Datenbanken, Gemeinschaftsübungen, Klassenspiele
Mit eigenen Impulsen ist die Forschungsstelle dennoch zurückhaltend. Es sei nicht so, dass sie als Team bestimmte Fragestellungen und Publikationen anregen und dadurch in die Schullandschaft hineinwirken würden. Es gehe vielmehr darum, selbst Auge und Ohr zu werden und wahrzunehmen, welche Nöte, Bedarfe, Bedürfnisse es gibt – und letztlich natürlich darum, Lösungsansätze zu ermöglichen. Oftmals sind es Lehrkräfte, die mitten im Berufsleben stehen, die sich mit einer Idee an die Forschungsstelle wenden.
«Kommt jemand mit einem konkreten Projektvorschlag auf uns zu, helfen wir, die Person zu vernetzen und auch dabei, den Projektantrag so zu gestalten, dass unser Beirat ihn bewilligen kann. Dafür braucht es oft eine gemeinsame Feinabstimmung, zum Beispiel für die Anschlussfähigkeit an den allgemeinen wissenschaftlichen oder gesellschaftlichen Diskurs oder für die Abgrenzung zu ähnlichen Projekten in der Vergangenheit», erklärt Palmetshofer. Aktuell entsteht beispielsweise eine Datenbank, die einmal sämtliche wissenschaftliche Literatur enthalten soll, die zur Waldorfpädagogik erschienen ist. Das können sowohl Werke aus der Bewegung heraus als auch Werke von außenstehenden Autor:innen sein. Neben den bibliografischen Angaben zu den einzelnen Texten enthält die Datenbank jeweils auch ein Abstract sowie einen Hinweis darauf, wo der Text verfügbar ist. Für das Erstellen der Datenbank wurden Bestände gesammelt, zusammengeführt und ergänzt. Sie soll zum Jahresende online gehen.
Ein ganz anderes aktuelles Forschungsprojekt beschäftigt sich mit Formen der Eurythmie, die in besonderer Weise pädagogisch wirksam sind. Die Dozentin im Bereich Eurythmie Helga Daniel trägt darin erstmals Übungen zusammen, bei denen es sich um geometrische Strukturen mit einem Bezug zur Sprache handelt, die sich alle auf das soziale Miteinander beziehen. Die Gemeinschaftsübungen können von zwei bis zu 49 Personen ausgeführt werden.
Von ähnlichem Charakter ist womöglich auch das Projekt mit dem Titel Ein Stück leben. Dabei soll ein Handbuch entstehen, das Erfahrungen aus der praktischen Klassenspielarbeit und zentrale Themen bündelt – etwa Dramaturgie, Stückauswahl, Spracharbeit, Probenorganisation, Rollenarbeit und den Zusammenhang von künstlerischem Prozess und menschlicher Entwicklung. Das Projekt steht in Verbindung mit dem parallelen Buchprojekt Vom Spielen Leben lernen von Professor Ulrich Maiwald mit theaterpädagogischem Schwerpunkt sowie mit der Überarbeitung der Klassenspielsammlung der Pädagogischen Forschungsstelle. So entsteht ein fachlicher Zusammenhang, der konkrete Spielmaterialien, theaterpädagogische Methoden und Fragen der Regiearbeit im Klassenspiel miteinander verbindet. Nicht selten laufen Forschungsprojekte länger als ursprünglich geplant und Bücher oder Lehrmittel erscheinen dadurch später. «Das kommt daher, dass viele Projektverantwortliche mitten im Beruf stehen und die Arbeit am Projekt zu großen Teilen in der Freizeit geschieht, sofern es nicht eine kleine Freistellung gibt. Diese Tatsache zeigt auch, wie nah ihnen die Fragen am Herzen sind und wie sehr sie drängen. Das finde ich an der Arbeit mit den Projekten so spannend», resümiert Palmetshofer.
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