An der Rudolf Steiner Schule Mbagathi, die vor über 35 Jahren in Kenia am Stadtrand von Nairobi gegründet wurde, kommen mehr als 85 Prozent der 430 Schüler:innen aus Familien, die in Armut oder extremer Armut leben. Viele von ihnen kämpfen darum, sich die grundlegenden Bedürfnisse wie Nahrung, Wasser, Unterkunft und Kleidung leisten zu können. Erschwert wird ihre Situation durch ansteigende Lebensmittelpreise, die unter anderem durch die globale Wirtschaftslage verursacht werden, die auch in Kenia zu Inflation führt. Auch die extremen Wetterbedingungen der letzten Jahre spielen eine Rolle: Auf Phasen starker Dürren und Heuschreckenplagen folgten Unwetter mit Überschwemmungen. Dies führte zu Ernteausfällen und somit zu einem Mangel an Grundnahrungsmitteln. «Die Schule erlebt derzeit die schlimmste Ernährungskrise seit Jahrzehnten», berichtet Schulleiterin Judith Brown. Sie legt großen Wert darauf, dass die Kinder nicht nur eine gute Schulbildung erhalten, sondern auch mit nahrhaftem Essen versorgt werden.
Etwa 140 Schüler:innen wohnen derzeit im «Hostel» der Schule. Einige von ihnen sind Waisen, einige haben kein Zuhause und viele kommen aus Familien, die mit finanziellen und sozialen Herausforderungen kämpfen müssen. In der Schule erhalten sie drei Mahlzeiten täglich. Auch einige der Kinder, die bei ihren Familien wohnen, kommen morgens hungrig in die Schule und auch sie erhalten ein Frühstück und ein Mittagessen. «Bei vielen Kindern sehen wir, wie die Anzeichen für Mangel- und Unterernährung verschwinden, seit sie unsere Schule besuchen», berichtet Brown weiter. «Und sie können sich dadurch auch im Unterricht viel besser konzentrieren.» Ein Teil des täglichen Lebensmittelbedarfs kann durch die schuleigene Farm gedeckt werden. Hier werden Getreide und Früchte angebaut; die Kühe versorgen die Schule mit Milch. Doch diese können nur Milch geben, wenn sie ausreichend Futter erhalten, was immer wieder auch eine große Herausforderung für die Schule ist. Die Rudolf Steiner School Mbagathi erhält als Schule in freier Trägerschaft keine staatliche Förderung. Da die meisten Familien keine oder nur wenige Beiträge an die Schule bezahlen können, ist sie für Schule und Schulessen auf Spenden angewiesen.
Haiti
Haiti ist eines der ärmsten Länder der Welt und das ärmste Land des amerikanischen Kontinents. Seine Geschichte ist geprägt von Misswirtschaft und Korruption. Hinzu kommen auch hier häufige Naturkatastrophen wie Erdbeben, Hurrikane, Dürren und Überschwemmungen. Die große Armut führt zu Bandenkriminalität und auch zu Flucht: Viele verlassen das Land, einige fliehen aus den großen Städten in ländlichere Gegenden Haitis. Letzteres hat im vergangenen Jahr zu einem Anstieg der Schüler:innenzahlen in der École Cécile Fatima geführt. Die waldorfinspirierte Schule liegt kurz vor den Toren von Les Cayes in der Gemeinde Torbeck. Sie wurde 2004 von der Französin Myriam Silien und einigen Freund:innen gegründet, die einen Ort des liebevollen Lernens erschaffen wollten. Ein Ort, an dem Kinder nicht geschlagen werden, wie es an vielen haitianischen Schulen üblich ist. Mit ihrer Schule schufen sie eine sichere Lernumgebung für ihre eigenen Kinder und die meist in schwerer Armut lebenden Kinder der Umgebung. Nach dem schweren Erdbeben im Jahr 2010 folgte 2016 mit einem Hurrikan ein besonders schwerer Schlag für die Schule: Sie wurde durch den Sturm und das Regenwasser zu einem großen Teil zerstört. Dank eines sofortigen Spendenaufrufs konnten die Freunde der Erziehungskunst damals schnell helfen und in der Folge den Bau eines erdbebensicheren Schulgebäudes finanzieren.
Doch neben einem sicheren Gebäude legt auch hier das Kollegium der Schule großen Wert auf eine sichere Ernährung. «In all diesen Jahren waren und sind viele unserer Schüler:innen unterernährt», berichtet Myriam Silien. «Bei uns erhalten sie jeden Tag zwei Mahlzeiten.» Auch hier können die Eltern der etwa 160 Schüler:innen praktisch keine Beiträge bezahlen, nur Spenden ermöglichen das Fortbestehen.
Georgien
Die Heilpädagogische Michaelschule in Tiflis wurde Anfang der 1990er Jahre gegründet. Sie ist die einzige heilpädagogische Schule in Georgien. Wie an allen anderen Schulen zahlt das Bildungsministerium eine Pro-Kopf-Pauschale für jedes Kind. Für eine heilpädagogische Schule mit kleinen Klassen und hohem Betreuungsschlüssel reicht dieses Geld längst nicht aus. Deshalb stehen für die Gehälter der Lehrkräfte an der Michaelschule nur sehr geringe Beträge zur Verfügung, die nicht einmal das Existenzminimum decken. Seit vielen Jahren unterstützen die Freunde der Erziehungskunst die Schule durch Gehaltszuschüsse. Zu groß ist die Gefahr, dass die engagierten und den Kindern sehr zugewandten Lehrer:innen gezwungen sind, anderswo zu arbeiten, um genug Geld für ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Trotz aller Bemühungen ist die Schule immer wieder von der Schließung bedroht. Janette Gülker-Neuhaus, eine heilpädagogische Lehrerin aus Deutschland, die die Michaelschule regelmäßig besucht und pädagogisch unterstützt, berichtet beispielsweise von einem jungen, fast blinden Mann, der an allen Schultagen in Begleitung seiner Mutter mittags in die Michaelschule kommt, um dort zu essen, da er sich weigert, anderswo zu essen. Eine schlichte, aber nahrhafte Mahlzeit war von Anfang an ein wichtiges Angebot der Schule. Um dies einigermaßen finanzieren zu können, werden keine Mühen gescheut, um günstig Kartoffeln, Gemüse und Kräuter auf dem Land zu finden. Obst und Kohl werden im Herbst gemeinsam mit den älteren Schüler:innen eingemacht.
Nahrung ist Bildung
In allen Schulen auf der Welt, die sich für die Ernährung ihrer Schüler:innen einsetzen, ist wichtig, dass Kinder für ein gutes Lernen nicht nur irgendwie satt werden müssen. Sie brauchen eine reichhaltige und durchdachte Ernährung. Denn es ist nicht nur so, dass Bildung Nahrung braucht. Gleichzeitig gilt nämlich: Nahrung ist Bildung. Das gemeinsame Einnehmen der Mahlzeiten ist ein wichtiges soziales Element und durch den Beginn der Mahlzeit mit einem Spruch kann Dankbarkeit erlebt werden. Gesunde Nahrungsmittel haben einen bildenden Effekt. Vielleicht entdecken die Kinder hier etwas, das sie von zu Hause nicht kennen. Sie haben ganz nebenbei die Möglichkeit, andere Geschmacksrichtungen, andere Zubereitungsformen und andere Zutaten zu entdecken. Eine Investition in das Schulessen hat also einen Effekt auf vielen verschiedenen Ebenen und kann im besten Fall den Kreislauf schlechter Ernährung durchbrechen und bei Kindern die Freude am Lernen stärken.
Die Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. fördern seit 1976 Waldorfschulen, Waldorfkindergärten, sozialtherapeutische und heilpädagogische Einrichtungen sowie soziale Initiativen, um Menschen weltweit gute Bildungschancen zu ermöglichen. Wir freuen uns über jede Spende zum Schwerpunktthema «Schulessen».
Freunde der Erziehungskunst | GLS Gemeinschaftsbank eG Bochum | IBAN: DE47 4306 0967 0013 0420 10 | BIC: GENODEM1GLS
Verwendungszweck: Schulessen + Ihre Adresse (für die Spendenbescheinigung)
Online spenden: freunde-waldorf.de/schulessen
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