Ein «Leuchtfeuer der Hoffnung» – so hat die Labour-Abgeordnete Monica Lennon im Jahr 2022 das Inkrafttreten eines neuen Gesetzes in Schottland kommentiert. Das Gesetz regelt den kostenlosen Zugang zu Perioden-Produkten in Bildungseinrichtungen und städtischen Institutionen. Die heute 45-Jährige hat Jahre für dieses Gesetz geworben und gearbeitet. Nach eigenen Angaben war Schottland damit das erste Land der Welt, das ein solches Gesetz verabschiedet und umgesetzt hat.
Längst überfällig finden das auch für Deutschland Tara Kosmowicz und ihre Mitstreiter:innen in der (Waldorf)Schüler:innen-Vertretung auf Bundesebene. «Auf das, was die Bundesregierung tut, haben wir keinen Einfluss, auf das, was in unseren Schulen passiert, schon eher», sagt Tara. Sie besucht die elfte Klasse der Freien Waldorfschule Leipzig und ist Delegierte der Region Mitte-Ost für die Bundesschüler:innen-Vertretung. Vor ziemlich genau einem Jahr, im Juni 2025, hat sie in dieser Funktion eine Projektgruppe ins Leben gerufen. Die widmet sich seither den Fragen rund um kostenlose Hygieneartikel an Waldorfschulen. Sie recherchiert Vorbilder wie Schottland; versucht, den Status Quo an deutschen Waldorfschulen mit Hilfe einer Umfrage zu erheben; wägt Pro- und Kontra-Argumente ab und sinnt nach Lösungen. Aus all dem hat die Projektgruppe unter dem Dach der bildungspolitischen Sektion der Waldorf-SV nun eine offizielle Forderung formuliert, die über die einzelnen Landesverbände und deren Delegierte die Schulen erreichen soll. In dem Papier heißt es: «Wir fordern … Spender mit kostenlosen Menstruationsprodukten für alle Schülerinnen an Waldorfschulen.» Denn: «Hygieneartikel sind kein ‹Extra›, sondern ein Grundbedarf, vergleichbar mit Toilettenpapier oder Seife.» Ihr Fehlen verursacht Stress, unangenehme, nicht selten schambehaftete Situationen und manchmal sogar das Versäumen von Unterricht.
Es geht um mehr als Geld
Tara engagiert sich schon seit drei Jahren für das Thema. Bereits in Klasse 8 hat sie zu einer Initiative gehört, die die Mädchen in der eigenen Klasse mit Menstruationsprodukten versorgen wollte. «Wir sind selbst einkaufen gegangen und haben darauf geachtet, dass in einem Körbchen immer ausreichend Binden und Tampons vorhanden waren. Für den Anfang war das gut. Das kann es langfristig aber nicht sein. Es ist nicht Aufgabe der Schüler:innen, die Sachen zu besorgen und Behältnisse aufzufüllen», findet Tara. Deshalb ist neben der Finanzierung auch dieser Punkt ein Teil des Forderungskatalogs geworden. Darin steht, dass «alle Waldorfschulen für das dauerhafte Bereitstellen von Binden und Tampons in Schultoiletten verantwortlich sein sollen, da dies ganz klar nicht zu den Aufgaben der Schüler:innen gehören sollte.» Die Personen, die in Toiletten etwa für Handtücher oder Toilettenpapier sorgen, könnten ebenso Hygieneartikel nachfüllen.
Ursprünglich wollte die Projektgruppe ihre Forderungen an den Vorstand des Bundes der Freien Waldorfschulen adressieren. Vor allem in der Hoffnung auf eine schnellere Umsetzung haben sie letztlich aber entschieden, ihre Vorstellungen über die Delegierten der einzelnen Landesverbände möglichst direkt in die Schulen zu tragen. Der Prozess wurde kürzlich erst angestoßen, sodass Rückmeldungen noch ausstehen.
Umgang statt Vermeidung
An einer Umfrage, die das Kleinteam im Vorfeld durchgeführt hat, beteiligten sich etwa 500 Schüler:innen. Knapp die Hälfte der Schulen, die von den Teilnehmer:innen besucht werden, stellen bereits Hygieneartikel zur Verfügung. Das Angebot, die Qualität und der Zugang zu den Produkten schnitten allerdings noch nicht so gut ab.
Ein Gegenargument, mit dem sich die Gruppe häufiger konfrontiert sieht, ist die Annahme, dass jüngere Schüler:innen die Produkte zweckentfremden und Unsinn damit treiben würden. Tara hat dazu eine klare Haltung: «Gerade in der Schule kann es doch immer nur darum gehen, den richtigen Umgang mit Dingen zu erlernen – manchmal halt schrittweise. Aber das passiert nicht durch Vermeidung. Toilettenpapier bleibt ja in der Regel auch an seinem Ort und wird nicht ständig für Unfug genutzt.»
In der Sache sei sich die Projektgruppe schnell einig gewesen. Bei den einzelnen Formulierungen seien die Meinungen auch schon mal auseinander gegangen. «Letztlich haben wir uns dafür entschieden, nicht zu hart und nicht zu viel zu fordern, um nicht gleich auf Ablehnung zu stoßen. So fordern wir Produktspender erstmal nur für die Räume der Mittel- und Oberstufen», gibt Tara ein Beispiel.
Was die 17-Jährige besonders freut: Zu den Köpfen der kleinen Projektgruppe gehört auch ein männlicher Mitstreiter. «Das Thema Hygieneartikel betrifft zwar rund die Hälfte der Schüler:innen, geht aber alle an», sagt sie.
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