Es gab Zeiten, in denen die Eurythmie an allen Waldorfschulen in Deutschland einen selbstverständlichen Platz im pädagogischen Alltag hatte. Sie wirkte kraftvoll im Leben der Kinder und Jugendlichen und war als besonderes Merkmal der Waldorfpädagogik ein Aushängeschild. Inzwischen ist sie in vielen Regionen gefährdet und an manchen Schulen ist sie gar schon verschwunden. Der Mangel an Eurythmielehrkräften betrifft längst nicht mehr nur einzelne Einrichtungen, sondern gewinnt in der gesamten Bewegung zunehmend an Brisanz. Die Notwendigkeit, neue Wege zu finden, um die Eurythmie an den Schulen zu erhalten und weiterzutragen, ist unübersehbar geworden.
In diesem Bewusstsein haben wir – ein Kreis von sieben Eurythmist:innen – uns zusammengeschlossen, um dieser Herausforderung zu begegnen. Unser Blick richtet sich dabei auf jene Regionen Deutschlands, wo man der Hauptstadt nahe ist und sich dennoch nicht selten vom Rest des Landes vergessen fühlt: In Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen hat mittlerweile zwischen Görlitz, Eisenach und Eberswalde nahezu jede zweite Schule aktuell oder absehbar eine offene Stelle im Fach Eurythmie.
Vier von uns leben und arbeiten seit vielen Jahren in der Region – Karin John in Eisenach, Franziska Knetsch im brandenburgischen Kleinmachnow sowie Ulrike Baudisch und ich in Berlin. Wir sind tief verwurzelt in der pädagogischen Arbeit an unseren Schulen und zugleich erfahren in der Weiterbildung. Drei weitere Kolleginnen bringen Erfahrungen aus anderen Regionen und Bereichen mit ein: Jutta Rohde-Röh aus Flensburg, Cornelia Klose aus Hamburg und Helga Daniel aus Den Haag. Sie stehen seit Jahrzenhnten für die Belange der Eurythmie ein und bringen zum Teil langjährige Erfahrung als Eurythmieausbilderinnen mit ein. Gemeinsam haben wir – in Zusammenarbeit mit dem Seminar Campus Mitte-Ost und dem Seminar für Waldorfpädagogik Berlin – einen dualen Ausbildungsgang entwickelt, der sich an den Bedürfnissen der Schulen unserer Region, an der Lebensrealität der Menschen vor Ort und an unseren Erfahrungen als Eurythmist:innen, Lehrkräfte und Ausbilder:innen orientiert. So ist ein Konzept entstanden, das in Blockwochen, einem wöchentlichen Kurs sowie Aufgaben für das selbstständige Üben einerseits und durch Hospitationen, Assistenzen und eigene Unterrichtstätigkeit andererseits Menschen, die in ihren Lebensorten und Berufen verankert sind, die Möglichkeit bietet, sich zur Eurythmielehrkraft ausbilden zu lassen.
Die Kurse finden in Leipzig und Berlin statt, damit keine allzu weiten Wege entstehen. Wir richten uns an Menschen, die bereits Erfahrung darin haben, Kinder und Jugendliche im Gruppen- oder Klassenverband anzusprechen und die ihr pädagogisches Tätigkeitsfeld durch die Eurythmie erweitern oder erneuern wollen – etwa Lehrer:innen, die Eurythmie als zweites Fach erlernen möchten, oder Erzieher:innen, die mit den Kindern in die Schule hineinwachsen wollen. Menschen also, die von der Eurythmie berührt sind, aber in ihrem Wirkungsfeld so verwurzelt sind, dass sie vielleicht nie gewagt haben, an ein Eurythmiestudium zu denken.
In einem vierjährigen dualen Modell sollen die eurythmischen Grundlagen erlernt und die pädagogisch-künstlerische Fantasie entwickelt werden, sodass ein Hineinwachsen in die Aufgabe, als Eurythmielehrkraft tätig zu sein, integraler Bestandteil der Ausbildung wird. Alle Inhalte sollen eurythmisch-instrumental bildend, künstlerisch wirksam und in ihrem methodisch-didaktischen Bezug zur Arbeit mit Kindern und Jugendlichen vermittelt werden.
Für dieses Vorhaben haben wir Rückenwind von der Sektion für redende und musizierende Künste am Goetheanum in Dornach sowie vom Bund der Freien Waldorfschulen erhalten und hoffen, gemeinsam mit den Schulen unserer Region dazu beitragen zu können, dass die Eurythmie uns weiterhin erhalten bleibt.
Weitere Informationen finden Sie auf:
campus-mitte-ost.de und waldorfseminar.berlin.
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