Vincent hat den Film Das Flüstern der Wälder gedreht: «Der Ton spielt eine entscheidende Rolle, mit all seinen Nuancen. Seit rund zehn Jahren gehört er fest zu meiner Arbeit. Er ist ebenso wesentlich wie das Bild – manchmal sogar wichtiger. Der Ton öffnet einen Raum für die Vorstellungskraft. Ich wollte, dass der Zuschauer glaubt, er säße selbst im Versteck, umgeben von Dunkelheit, mit wachen Sinnen. Im Versteck hört man zuerst, bevor man sieht.» Tappen, rascheln, flattern, krachen, knistern, schnarren, rufen: Der Reichtum der Klänge im Wald ist riesengroß. Wir lauschen und schauen – so wie Simon, Michel und Vincent.
Munier montiert wunderschöne Aufnahmen von Nadelbäumen, Dickicht, Farnen und Moosen: im Morgennebel, bei Regen, bei Sonnenschein und bei Nacht. Und urplötzlich – und nur für einen kurzen Augenblick – zeigen sich die scheuen Waldtiere in ihrer ganzen Pracht: Waldohreule, Sperlingskauz, Uhu, Kranich, Hirsch, Wildkatze oder Luchs.
Der Dokumentarfilm Das Flüstern der Wälder ist über mehrere Jahre in Frankreich und in Norwegen entstanden. Filmemacher Munier verzichtet auf Effekte und Tricks, seine Arbeitsmethode basiert auf Geduld, Erfahrung und einer poetischen Sicht auf die Natur. So hat er es von Großvater Michel gezeigt bekommen und so zeigen beide es jetzt Simon. Wir sehen Vincent mit der Kamera auf der Lauer liegen, sie ist mit einem mächtigen Teleobjektiv bestückt; neben ihm Simon, still und aufmerksam, mit dem Parabol-Mikrofon. Vincent: «Wir versuchen, die Tiere zu beobachten, aber sie beobachten uns ständig zurück. Dieses Wechselspiel interessiert mich: nicht aus einer Position der Stärke zu filmen, sondern aus einer Haltung der Verletzlichkeit und Achtsamkeit.»
Neben den bezaubernden Naturaufnahmen gibt es behutsam inszenierte, reflektierende Szenen im Film. Bei Kerzenschein in einer kleinen, gemütlichen Hütte im Wald oder flüsternd im nächtlichen Versteck unter Zweigen hat Simon Fragen an die beiden Älteren. Großvater Michels Engagement als Naturschützer gilt schon ein Leben lang dem Erhalt des Auerhuhns. Aber das Auerhuhn ist aus den Vogesen verschwunden. Klimawandel und industrielle Forstwirtschaft sind die Hauptursachen. Um dem zwölfjährigen Simon die Chance auf eine Begegnung mit einem Auerhuhn zu ermöglichen, reist das Trio nach Norwegen. Und Tatsache – fast zu schön, um wahr zu sein –, erst hört man eigentümliche, kräftige Rufe, dann lässt sich der beeindruckend elegante Vogel kurz blicken.
Vincent Munier erzählt diesen Moment wie den Auftritt der Diva in seinem filmischen Naturschauspiel. Atemberaubend schön! Das Flüstern der Wälder ist eine Ode an den einzigartigen Schatz der Wildnis. Man kommt aus dem Staunen nicht heraus.
Ich empfehle den Film Das Flüstern der Wälder (Frankreich 2025, 93 Minuten) ab 11 Jahren, er ist auf DVD und Blu-ray erhältlich.
Im Bereich Medien auf der Webseite der Erziehungskunst können Sie alle bislang veröffentlichten Filmempfehlungen für Kinder und Jugendliche nachlesen.
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