Screenshot von der Webseite freunde-waldorf.de/climate-balance
Mitmachen ist einfach: Auf der Website wird der eigene ökologische Fußabdruck ermittelt und drei aktuelle Klimaprojekte vorgestellt, wohin der entsprechende Betrag gespendet wird. Als Nachweis erhalten alle Teilnehmenden ein persönliches Klimazeugnis, das zeigt, welchen Beitrag sie geleistet haben und welche Projekte unterstützt werden. Auch Institutionen können Klimapartner werden. Sie bilanzieren ihren CO₂-Ausstoß, gleichen unvermeidbare Emissionen aus und erhalten dafür ein Klimazeugnis sowie ein Partnersiegel für ihre Kommunikation. So kann Klimaschutz Teil des Alltags werden – sichtbar, verbindlich und wirksam.
Bereits ein Jahr nach der Gründung der ersten Waldorfschule sprach Rudolf Steiner von der Notwendigkeit eines Weltschulvereins: freie Bildung weltweit zu ermöglichen – aus Verantwortung, Kooperation und tätiger Mitarbeit von Menschen und Organisationen heraus, nicht durch staatliche Vorgaben. Wesentlich dazu gehören Unterstützung und solidarische Finanzströme über Ländergrenzen hinweg. Diesen Auftrag erfüllen die Freunde der Erziehungskunst seit 50 Jahren im Bereich Waldorf weltweit. In dieser Zeit wurden viele Millionen Euro zwischen Förderern und Bildungsinitiativen aus allen Regionen der Welt bewegt. Der Waldorf Climate Balance Fund knüpft an diesen Auftrag an und verbindet Klimaverantwortung mit globaler Bildungssolidarität.
Die Anregung zu diesem Projekt kam von Christoph Dörsch, dem Geschäftsführer des Bundes der Freien Waldorfschulen. Er hat in der Vergangenheit seine Flugreisen auf Portalen wie atmosfair.de ausgeglichen und hatte die Idee, dass die Waldorfgemeinschaft in Deutschland ein eigenes Portal schaffen könnte. «Am besten wäre es natürlich, wenn kein CO2-Ausstoß entstehen würde, aber das ist nicht immer möglich. Viele Menschen fühlen sich verantwortlich und spenden für Klimaprojekte nach privaten oder beruflichen Reisen. Wenn bei solchen freiwilligen Ausgleichszahlungen Waldorfeinrichtungen unterstützt werden können, ist das für beide Seiten ein Gewinn», so Dörsch. Dies könne man etwa auch für die Autofahrten zur Waldorfschule tun. Auch die Schulen könnten ihren täglich anfallenden CO2-Ausstoß über dieses Portal ausgleichen.
Geld, das über den Waldorf Climate Balance Fund gespendet wird, fließt in Projekte von Waldorfinitiativen weltweit, etwa in Solaranlagen, Wasseraufbereitung oder Schulgärten.
Beispiel Tansania: Solarenergie für die Waldorfschule
In Dar es Salaam im ostafrikanischen Tansania erlebt die Hekima Waldorfschule täglich die Folgen instabiler Strom- und Wasserversorgung. Überhitzte Klassenräume, stillstehende Ventilatoren und der Mangel an sauberem Wasser erschweren den Schulalltag erheblich. Das erste Klimaprojekt ermöglicht hier konkrete Abhilfe. Geplant sind eine Solaranlage und Wassertanks, die eine verlässliche Energie- und Wasserversorgung sicherstellen. Auf der Webseite werden alle aktuellen Klimaprojekte vorgestellt.
Hintergründe und Inspiration
Die Kampagne zum Waldorf Climate Balance Fund ist inspiriert von zwei zentralen Beiträgen zu einer goetheanistisch-inspirierten Zukunftsökologie in der Klimadebatte. In seinem Buch Vom Leben unserer Erde – Eine Liebeserklärung an unseren Heimatplaneten beschreibt Albrecht Schad die Erde als lebendigen Organismus – als empfindliches, sich selbst regulierendes und gleichgewichtsbildendes Biotop. Dieses Denken ist in der Waldorfpädagogik fächerübergreifend und altersgemäß im Lehrplan verankert. Stefan Ruf plädiert in seinem Buch «Klimapsychologie – atmosphärisches Bewusstsein als Weg aus der Klimakrise» für eine neue Natur-Kultur-Partnerschaft: eine liebevolle, verantwortungsbewusste Beziehung des Menschen zu seinem Heimatplaneten und zu den eigenen Kulturleistungen – von Landwirtschaft und Ökonomie bis zum globalen Miteinander. Genau hier liegt eine originäre Stärke der Waldorf-
pädagogik: Sie verbindet Erkenntnis, Beziehung und tätiges Handeln.
Auf der Seite waldorfschule-bne.de wird gezeigt, was Waldorfschulen zur Erreichung der 17 UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) beitragen können, und sie bietet eine Plattform zum Austausch darüber, wie Waldorfpädagogik sozial-ökologischen Wandel gestaltet. Waldorfschulen können dort ihre Unterrichtspraxis zu den einzelnen Nachhaltigkeitszielen präsentieren und sich in einem wachsenden Netzwerk verbinden.
Der Waldorf Climate Balance Fund knüpft an die Theoretiker der Zukunftsökologie und das Engagement der Schulen in Sachen BNE an, indem er Klimaverantwortung und Bildung praktisch verbindet und eine neue Natur-Kultur-Partnerschaft konkret erfahrbar macht – als bewusste, verantwortungsvolle Beziehung des Menschen zur Erde und zu seinen kulturellen Gestaltungsaufgaben.
Mit der neuen Kampagne vertiefen die Freunde der Erziehungskunst auch intern ihr Engagement für ökologische Verantwortung. Der Arbeitsbereich Freiwilligendienste im Ausland, der jährlich über 700 Freiwillige weltweit entsendet und begleitet, beteiligt sich aktiv an den Maßnahmen, um die unvermeidbaren Flugemissionen des internationalen Engagements auszugleichen. Die Freunde laden Sie ein, Teil dieses weltweiten Ausgleichsprojekts zu werden. Aus Liebe handeln – für Mensch und Erde!
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