Ausgabe 06/26

Ein Nobody gegen Putin von David Borenstein und Pawel Talankin – ab 15 Jahren

Maria Knilli
Bild: © ZDF/Pawel Talankin


Pawel Talankin unterrichtet an der Schule, die er als Kind selbst besucht hat, eine Schule in der Kleinstadt Karabasch im Ural. Der unkonventionelle Talankin liebt die Arbeit mit den Schüler:innen. Als Projektleiter hat er viel Freiheit und kann ihnen im Schulalltag eine Oase bieten, in der Augenhöhe, Gemeinschaft und künstlerischer Ausdruck zählen. Sein Klassenraum ist Atelier und Werkstatt – Demokratiewerkstatt.

Talankin ist außerdem Videograf der Schule. Es ist seine Aufgabe, alle schulischen Events mit der Kamera zu dokumentieren. Ende Februar 2022, mit dem Überfall Russlands auf die Ukraine, ändert sich der Schulalltag drastisch. Die Pädagog:innen müssen regelmäßig vorgefertigte patriotische Lektionen abhalten. Und Talankin muss diese Stunden drehen und auf ein Portal hochladen, als Nachweis dafür, dass die Schule ihren Verpflichtungen gegenüber der Regierung nachkommt. Aus ideologischen Schulungen werden nach und nach Praxisstunden: Söldner und Soldaten berichten in den Klassenzimmern von der Front und machen die Mädchen und Jungen mit Waffen vertraut.

Talankin fühlt sich zunehmend unwohl. Da er mit niemandem offen sprechen kann, beginnt er ein Videotagebuch: «Das ist wie in einem Raum, in dem die Wände immer näher rücken und die Luft immer weniger wird. Man erkennt, dass man nichts ändern kann und in diesem System gefangen ist. Ich liebe meinen Job, aber ich will kein Spielball des Regimes sein.» Talankin kündigt.

Doch dann passiert das Unerwartete: Via Internet kommt Talankin in Kontakt mit dem in Dänemark lebenden amerikanischen Filmemacher Borenstein und sie schmieden einen Plan: Talankin wird mit Borensteins Unterstützung eine Chronik der fortschreitenden Propaganda an der Schule drehen. Sein Job als Videograf ist dafür die perfekte Tarnung. Talankin zieht die Kündigung zurück und dreht weiter. Eine mutige und gefährliche Entscheidung, die sein Leben verändert. Der freiheitsliebende Lehrer wird zum Filmemacher und Aktivisten. Sein (Kamera)-Blick auf Kollegium und Schülerschaft bleibt liebevoll und ehrlich interessiert.

Einige von Talankins Schülern sind jetzt im wehrfähigen Alter. Granaten-Weitwurf ist eine neue Disziplin im Sportunterricht. Talankin dreht einen Appell des Staatspräsidenten Putin im TV: «Kriege werden nicht von Feldherren gewonnen, sondern von Lehrern an Schulen.» Grundschulkinder exerzieren im Schulflur.
Trauriger Höhepunkt des Films: Ein kleiner Junge zielt während einer Übung ruhig und konzentriert mit einem Gewehr auf Talankin, der ihn dabei filmt.

Der engagierte Lehrer kommt aus den Sommerferien nicht zurück. Er schafft das Videomaterial außer Landes und lässt seine Mutter in Karabasch zurück. Der fertige Film geht um die Welt, klärt auf und berührt, und wird mit dem Oscar als bester Dokumentarfilm 2026 geehrt.

Ich empfehle Ein Nobody gegen Putin (Dänemark, 2025, 90 Minuten) ab 15 Jahren, zu finden in der Arte-Mediathek: www.arte.tv/de/videos/116712-000-A/ein-nobody-gegen-putin/ 

Im Bereich Medien auf der Webseite der Erziehungskunst können Sie alle bislang veröffentlichten Filmempfehlungen für Kinder und Jugendliche nachlesen.

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