Peripherie

Einander begegnen, einander berühren

Tammes Burghard

Tammes Burhhard: Woher kam dir die Idee für das Projekt Cantare?

Sebastian Arndt: Im Grunde genommen kam mir die Idee schon 2008. Da habe ich mich in die Mensa gesetzt und von meiner Idee erzählt und Birte hat netterweise mitgemacht. Es gab ja bereits die Junge Waldorf-Philharmonie, wo ich auch schon mitgemacht hatte, und ich dachte mir, es wäre cool, wenn es so etwas auch im Chor-Format gäbe. Birte und ich haben dann begonnen, das erste Projekt zu planen, das 2010 stattfand. Weil wir noch eine Jahresarbeit brauchten, haben wir das entsprechend verwertet.

Burghard: 2013 habt ihr dann Carl Orffs Carmina Burana gesungen. Warum habt ihr dieses Stück ausgewählt?

Arndt: Weil das Stück cool ist. Weil es mega Spaß macht. Es ist ja auch ein Stück, das viele Menschen kennen. Es ist sehr eindrucksvoll mit großem Orchester und wir hatten einfach Lust darauf, das zu singen.

Burghard: Du hast das Projekt damals mit organisiert. Hast du auch selbst mitgesungen?

Arndt: Nein. Selbst mitzusingen hat leider nur zweimal und auch nur bei einzelnen Stücken geklappt. Es gab immer so viel zu organisieren, dass ich nicht dazu gekommen bin. Einmal habe ich auch Klarinette vorgespielt, um im Orchester mitzuspielen, aber das ist auch nichts geworden

Burghard: Was war das für ein Orchester, woher kam das?

Arndt: Das Orchester haben wir damals selbst auf die Beine gestellt. Gustav aus unserem Team hatte damals schon ein Filmmusikorchester organisiert, davon hat er ziemlich viel Organisations-Know-How mitgebracht, mit dem wir dann selbst ein Orchester aus Schülis zusammenstellen konnten. 2014 haben wir dann wieder ein Orchester selbst organisiert und 2015 war das Projekt in Kooperation mit der Hochschule Düsseldorf. Da kam das Orchester dann von denen, verstärkt durch ein paar Leute von uns.

Burghard: Inzwischen organisierst du das Küchenteam. Wie kam es dazu, seit wann machst du das?

Arndt: Das erste Mal gekocht haben wir 2014 aus der Idee heraus, dass das kostengünstiger ist als ein Catering. Es spart so viel, wenn man niemanden dafür bezahlt, dass er für alle kocht. Das erste Mal geplant habe ich die Küche dann 2017. Wir haben uns viele Gedanken gemacht, wie wir über das Essen die Tagung gestalten können, was für einen Einfluss das auf die Stimmung der Tagung hat. Da haben wir auch viel mit Sitzordnungen herumexperimentiert, das war sehr lustig. In den weiteren Jahren haben wir immer wieder neue Dinge ausprobiert und neue Schwerpunkte gesetzt. Dafür sind immer alle Freund:innen zusammengekommen und haben gemeinsam ihre Kreativität ausgelebt.

Burghard: Was für Menschen sind so im Küchenteam? Was für eine Verbindung haben die zu Cantare?

Arndt: Am Anfang waren das viele Ehemalige aus dem Organisationsteam, aber auch Freund:innen und Bekannte. Inzwischen ist es zunehmend so, dass Menschen, die mal wieder Zeit mit uns verbringen wollen, nicht für den ganzen Zeitraum kommen können und dann nur für ein paar Tage da sind. Insgesamt wird aber gerade die Verbindung zwischen dem Küchenteam und Cantare immer loser, glaube ich.

Burghard: Gab es Momente, in denen du genug hattest von Cantare und keine Lust mehr auf das Projekt?

Arndt: Ja klar, das erste Mal direkt nach dem ersten Projekt. Wir hatten mega schlecht verkaufte Konzerte, es war schwer, genug Teilnehmende zu finden, und wir sind finanziell mit einem großen Minus herausgegangen. Das war ziemlich demotivierend. Für die Jahresarbeit haben wir ein paar Monate danach noch einen Vortrag gehalten. Dazu kamen auch ein paar ehemalige Teilnehmende und haben was gesungen und erst da habe ich verstanden, dass es neben einem vollen Konzert, funktionierenden Finanzen und genügend Teilnehmenden noch etwas viel Wichtigeres gibt: Bei Cantare sind sich Menschen begegnet und waren wirklich berührt. Viele der Freundschaften, die da entstanden sind, existieren noch heute. Das hat mich motiviert, immer weiterzumachen.

Burghard: Wie hast du Cantare als Initiator des Projektes über die Jahre hinweg erlebt und sich entwickeln sehen?

Arndt: Also insgesamt war es mir immer wichtig, neue Dinge auszuprobieren und zu experimentieren. Deshalb war das Projekt auch nie so angelegt, dass wir jahrelang mit den gleichen Dirigent:innen zusammenarbeiten. Und wir haben uns in jedem Jahr wieder neu zusammengesetzt und überlegt, was wir beim nächsten Projekt Neues ausprobieren wollen und wozu wir Lust haben. 2010 war besonders, weil es nun mal das erste Projekt war. In den beiden Jahren danach haben wir damit herumexperimentiert, Konzerttourneen zu machen. Weil wir kein Geld hatten, haben wir das mit dem Nahverkehr gemacht und sind dann mit 80 Leuten und damals noch so Quer-durchs-Land-Tickets von München nach Mannheim gereist. Das war ziemlich aufregend, aber auch mega schön. Wir hatten damals vier Konzerte, zwei in Camp-Hill-Einrichtungen am Bodensee. 2013 kam das Orchester neu dazu und wir hatten mit Carmina Burana und dem Requiem von Mozart zwei sehr große Projekte, 2014 das erste Mal mit einem Konzert in einer Kirche. 2015 und 2016 ist das Projekt ausgefallen, weil wir uns mit unseren Ideen ein bisschen übernommen hatten. 2017 ging es dann wieder los und ich war als Leiter der Küche in einer neuen Rolle.

Burghard: Wie blickst du auf das kommende Projekt?

Arndt: Ich freue mich drauf und bin sehr gespannt, wie in Frankfurt die Küche ist. Ich habe schon gehört, sie ist im Keller, was ein bisschen schade ist, weil Cantare aus meiner Sicht schon auch ein bisschen eine kulinarische Tagung ist. Wir werden wieder neue Dinge ausprobieren und haben schon tolle Ideen. Es wird tolle Teigwaren geben, das kann ich schonmal verraten.

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