Rainer Monnets neue Novelle Unterwegs kam mir da gerade recht. Sie ist keine gewöhnliche Reiseerzählung, sondern ein leiser, innerer Erkenntnisweg. Laurin, die Hauptfigur, verlässt bewusst den gewohnten Alltag und begibt sich mit seinem Pferd auf eine Reise in die Natur – eine Bewegung nach außen, die zugleich nach innen führt.
Was sich zunächst wie eine persönliche Auszeit liest, entfaltet sich als vielschichtiger Prozess der Wandlung. Monnet beschreibt verschiedene Bewusstseinsebenen, die an Steiners Stufen von Imagination, Inspiration und Intuition erinnern – doch nicht theoretisch, sondern lebendig erfahrbar. Beziehungen entstehen aus innerer Bewegung, aus Wärme, aus geistiger Wachheit. Besonders Geraldine, eine junge Weggefährtin Laurins, öffnet einen Blick auf die heutige Jugend: sensibel, suchend, zugleich wach für das Wesentliche.
Was mich besonders anspricht, ist die Art, wie Monnet über Werte spricht. Nicht als moralisches Lehrgebäude, sondern als gemeinsame Suche nach dem, was trägt. Diese Haltung erinnert mich an jene Gespräche im Kollegium, in denen wir miteinander ringen – nicht um fertige Antworten, sondern um ein lebendiges Verständnis dessen, was Bildung eigentlich meint.
Die einzelnen Stationen der Erzählung – Gehen, Dampfer, Geheimnisse – sind mehr als äußere Etappen. Sie spiegeln Bewusstseinsprozesse, die auch in unserem pädagogischen Alltag mitschwingen: das tastende Beginnen, das Schwanken zwischen Sicherheit und Aufbruch, und das Staunen, wenn sich ein Sinnzusammenhang öffnet.
Unterwegs ist kein Buch, das man einfach liest und beiseitelegt. Es lädt zum Mitgehen ein – mit sich selbst, mit anderen, mit der Zeit, in der wir leben. Vielleicht ist das seine größte Stärke: Es öffnet einen Raum des Fragens und Zuhörens. Und genau das brauchen wir, wenn wir als Pädagog:innen unterwegs bleiben wollen – im Gespräch mit der Welt und mit dem, was in ihr werden möchte.
Rainer Monnet: Unterwegs. Eine spirituelle Novelle, Verlag am Goetheanum, Dornach 2025, 160 Seiten, 17,80 Euro.
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