Ausgabe 10/26

Eine sehr bedeutsame Aufgabe

Erasmus Spitta

Wie diese Aufgabe aber konkret ergreifen? Es entstand die Frage, ob die Idee der Dreigliederung des sozialen Organismus Lehrgegenstand in der Oberstufe an Waldorfschulen sein sollte. Ich finde ja, unbedingt, insofern sie zu einem besseren, weil tieferen Verständnis der Dynamik unserer Welt führen kann. Meiner Erfahrung nach ist es möglich, mithilfe Rudolf Steiners Gedanken zur Dreigliederung einige zunächst unverständliche Zusammenhänge aufzuzeigen und verständlich zu machen. Wie wirkt sich zum Beispiel die gegenwärtige Gestaltung der Geldordnung auf unseren Konsum und die Verteilung des Reichtums der Welt aus – und was hat diese Ordnung mit der Umweltproblematik oder dem Zustand des Bildungssystems zu tun? Womit beeinflussen wir den Lauf der Welt stärker: damit, wie und wo wir unser Geld verdienen oder damit, wie und wo wir es ausgeben – und was bedeuten die möglichen Antworten für unser Verhältnis zum Geld selbst? Inwiefern ist unser Vorteilsstreben unverzichtbarer Antrieb alles gemeinsamen Wirtschaftens und was hat das mit dem Niedergang zum Beispiel der DDR zu tun? Eine geeignet intensive Beschäftigung mit derlei Fragen kann erheblich dazu beitragen, dass Schüler:innen Welt und Gesellschaft als differenziert gestaltbare Räume erleben und begreifen können.

Das Betrachten der Dreigliederung als System, dessen Einrichtung die Welt unbedingt verbessern würde, erscheint mir jedoch ebenso starr und unbeweglich, wie manch anderes politische Programm. Wenn wir Steiners Ideen aber als Blaupause dafür betrachten, wie eine moderne Gesellschaft tatsächlich «funktioniert», so können sie uns helfen, die ansonsten beliebig komplexen und mannigfaltigen Interdependenzen zwischen unserem Wirtschaften, den Einzelinteressen, der kulturellen Entwicklung, der planetaren Naturgrundlage und der politischen Dynamik immer besser zu verstehen. In diesem Sinne lässt sich die Idee der Dreigliederung in einer zwölften Klasse innerhalb der letzten Geografieepoche sehr gewinnbringend einbinden.

Dazu ist allerdings laufendes Bemühen erforderlich, unser Denken, Fühlen und Wollen dynamisch, differenziert, kritisch, exakt, fantasievoll, wirksam und ja, idealistisch zu machen. In dem Maße, in dem uns dies bei uns selbst gelingt, wird sich die Arbeit mit und an den Gedanken der Dreigliederung belebend auf unser pädagogisches Wirken, auf unsere Einrichtungen und auf unsere Schüler:innen auswirken.

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