Der unmittelbare Kontakt mit der Tier- und Pflanzenwelt, das Miteinander in den Booten und der Umgang mit den stetig wechselnden Wettersituationen schaffen eine Fülle von Eindrücken.
Alle Teilnehmenden kommen mindestens einmal an ihre Grenzen. Zu kalt, zu nass, zu hungrig, zu erschöpft. Oder: zu wenig Anstrengungsbereitschaft im eigenen Boot, zu wenig Zusammenhalt beim Umtragen der Wehre oder beim Aufbauen der Jurte. Vielleicht auch eine Spinne im Boot oder am Abend der alte Freund «Heimweh» … Jede:r hat einen ganz eigenen Punkt, an dem die Komfortzone schrumpft und Überforderung ansteht. Gut, wenn dann der Rest die Fahne hochhalten und Zuversicht ausstrahlen kann. Dass die Gemeinschaft hält und mir die Zeit einräumt, mich wieder zu greifen, wenn ich ins Wanken komme, wird ebenso Lebensgewissheit wie die alte Weisheit: «Nach Regen kommt Sonne.»
All das ginge nicht ohne die Mitarbeit von vier bis sechs Eltern, die zum Teil Urlaub nehmen, um die Fahrt zu begleiten. Sie machen es möglich, dass auch bei Regen Jurten aufgebaut werden, Essen gekocht und Feuer gemacht wird – und zwar gleichzeitig. Außerdem, dass Schüler:innen die nötige Einzelzuwendung erhalten und dass der Versorgungsbus weiterziehen kann. Für die Eltern bietet sich neben den oben beschriebenen Erfahrungen die Gelegenheit eines Perspektivwechsels. Sie sind nicht mehr für die Belange des eigenen Kindes zuständig, sondern übernehmen den Blick auf das Klassenganze. Was braucht die Gemeinschaft, was orientiert und stärkt sie? Und für mich bieten die Gespräche am Rand neue Blickwinkel auf einzelne Kinder, die Klasse, die Schule und mein Tun.
Die wohlige Einmütigkeit, die entsteht, wenn alle nach einem langen Tag zufrieden im Kreis sitzen und von ihren Erfahrungen berichten, ist von besonderer Qualität. Die Zusammenarbeit mit Eltern erlebe ich durch eine solche Fahrt als vertieft und gefestigt. Es entwickelt sich Tragfähigkeit auch in Bezug auf kommende Herausforderungen. Schön, wenn es uns gelingt, an unseren Schulen durch diese Form der Zusammenarbeit besondere Erlebnisse für die Schüler:innen zu generieren und unser Miteinander zu stärken.
Ausgabe 09/26
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