Um dem wachsenden Lehrkräftemangel im Fachbereich Eurythmie zu begegnen, entwickeln die Eurythmistinnen Elisabeth Altheim, Susanne Bukatz und ich seit Dezember 2024 ein duales Ausbildungskonzept. Unter dem Titel Eurythmiepädagogik: direkt&dual soll die vierjährige Zertifikatsausbildung voraussichtlich im Januar oder September 2027 in Reutlingen beginnen. Voraussetzung sind zehn bis zwölf Teilnehmer:innen.
Bislang führt der Weg in die pädagogische Eurythmie in der Regel über ein künstlerisches Grundstudium. Das neue Teilzeitmodell richtet sich dagegen gezielt an Menschen, die bereits über fundierte Erfahrungen und eine Vorbildung in der Waldorfpädagogik verfügen. Es soll sie dazu befähigen, unmittelbar in den Eurythmieunterricht einzusteigen und sich berufsbegleitend weiterzuqualifizieren. Wie dringend neue Ausbildungswege benötigt werden, zeigte eine Fachkonferenz zur Eurythmiepädagogik, zu der die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) der Freien Waldorfschulen in Baden-Württemberg im Frühjahr nach Reutlingen eingeladen hatte. Viele Stellen können nicht mehr besetzt werden, weil Eurythmiepädagog:innen in den Ruhestand gehen und Nachwuchskräfte fehlen. Dieser Trend dürfte sich in den kommenden Jahren verstärken.
Ein Schwerpunkt der Ausbildung liegt auf dem eigenen künstlerischen Übungsweg. Die Teilnehmenden setzen sich kontinuierlich mit eurythmischen Elementen, menschlichen Entwicklungsstufen und den eigenen inneren Prozessen beim Unterrichten auseinander. Das Üben soll Bewegungs-, Begegnungs- und Beziehungsräume öffnen und damit eine Grundlage für die pädagogische Arbeit schaffen. Die Ausbildung verbindet Theorie und Praxis. Vorgesehen sind jährlich vier Intensivwochen sowie Ausbildungstage im Abstand von 14 Tagen am Seminar in Reutlingen. Die praktischen Phasen finden an der jeweiligen Waldorfschule statt. Erfahrene Eurythmiepädagog:innen übernehmen dort die Einführung und Begleitung. Wöchentliche Videokonferenzen ermöglichen einen fortlaufenden fachlichen und kollegialen Austausch. Die Initiative wird von einem starken regionalen Netzwerk getragen: Trägerverein ist die Freie Georgenschule Reutlingen, das Eurythmeum Stuttgart beteiligt sich mit Dozent:innen an der eurythmischen Grundlagenbildung, und die Freie Hochschule Stuttgart – Seminar für Waldorfpädagogik unterstützt die Ausbildung mit Unterrichtseinheiten. Der Abschluss ist als Zertifikat der Sektion für Redende und Musizierende Künste an der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft am Goetheanum in Dornach vorgesehen.
Ausgabe 11/26
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