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Fachtag Vielfalt

Dr. Gerrit de Jong

Vielfalt ist in den heterogenen Lerngruppen der Waldorfschulen seit jeher Teil der pädagogischen Wirklichkeit. Die Frage ist daher nicht, ob wir Vielfalt gestalten, sondern wie verantwortungsvoll wir es tun – und wen wir bislang übersehen oder ausschließen, obwohl sie zur gesellschaftlichen Wirklichkeit gehören. Waldorfschulen sollen alle Kinder erreichen, die unsere Gesellschaft prägen. Eine zukunftsfähige Waldorfpädagogik muss diesen Auftrag ernst nehmen.

Zu Rudolf Steiners Zeiten war die Waldorfschule als Betriebsschule für die Kinder der Arbeiterschaft in der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik konzipiert. Seit über hundert Jahren steht der Anspruch im Zentrum der Waldorfpädagogik, jeden jungen Menschen in seiner Einzigartigkeit ernst zu nehmen und in seiner individuellen Entwicklung zu begleiten.

Anerkennung von Vielfalt ist ein Menschenrecht. Wer Individualität ernst nimmt, darf Unterschiede nicht glätten. Unterschiedliche Lebenswelten, Sprachen und Perspektiven werden als Bereicherung verstanden, nicht als Störung. Zur Würde jedes Kindes gehört, dass es dazugehört – ohne erst passend gemacht zu werden.

Mit diesem Anspruch stellt sich heute die Frage, wie wir Kinder aus allen sozialen Schichten, mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen, Sprachen, religiösen Bezügen oder queeren Lebensrealitäten erreichen. Dafür müssen sich Waldorfschulen den Lebenswelten der Kinder öffnen und Barrieren aktiv abbauen – pädagogisch, organisatorisch und kulturell.

Der Arbeitskreis für Diversität und Interkulturalität im Bund der Freien Waldorfschulen möchte Schulen mit dem Fachtag Impulse geben – durch den Austausch guter Praxis und durch Fortbildungsangebote. Er versteht sich als Förderer einer Waldorfpädagogik, die ihren eigenen Anspruch konkret einlöst und weiterentwickelt.

Thematisch widmet sich der Fachtag der Bildungsgerechtigkeit in der Schulentwicklung, der kulturellen Vielfalt und Diversität in Unterricht und Lehrplan sowie der kritischen Weiterentwicklung der anthroposophischen Grundlagen der Waldorfpädagogik. Ziel ist es, konkrete Wege zu finden, wie eine Kultur der Zugehörigkeit im Schulalltag gelingen kann – im Klassenraum, im Kollegium und in der Zusammenarbeit mit Familien.

Anmeldung bis zum 20. Februar 2026 über www.waldorfschule.de/termine-aktuelles/tagungen-kongresse

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