Ausgabe 11/26

Fantasie mit kurzen Beinen

Sarah Zelt


Im Original auf Englisch verfasst, schließt der dtv-Verlag mit der deutschen Erstausgabe von «Abrakadabra in der Sullivan Street» eine Lücke der literarischen Geschichtsschreibung. 
 

Dabei verleihen die knallig-bunten und ganzseitigen Illustrationen von Thomas Müller der Geschichte einen heutigen, humorvollen und lustvollen Anstrich. In gereimten Worten erzählt diese Alltagsballade vom kleinen Pete aus der Sullivan-Street, der, gefragt nach den Berufen seiner Eltern, aus Sprachschwierigkeiten heraus seinen Musiker-Vater zum Zauberer macht und damit einen ziemlichen Tumult lostritt. Die Lüge fliegt auf und Pete muss nicht nur ohne Abendessen ins Bett, sondern wird dazu noch von Nachbarsjungen verfolgt und beschimpft.

Die Moral von der Geschichte? Lügen, ja, das lohnt sich nicht. Die Härte, mit der dieser eigentlich aus Scham begangene Fehltritt geahndet wird, wirkt dann doch etwas aus der Zeit gefallen. Gleichzeitig sprudelt das Buch nur so vor schrägen, liebenswürdigen Figuren, die durch die Illustrationen liebevoll in Szene gesetzt sind. Komplementiert wird diese aufwendige Ausgabe mit Erklärungen «schwieriger Wörter», was für kleine Lesende eine angenehme Hilfe ist. Denn sprachlich ist die gebundene Sprache gerade für Leseanfänger:innen sicher eine Herausforderung, die aber auch Spaß und Lust am Reimen und Fabulieren wecken kann. Fazit: ein auf visueller wie sprachlicher Ebene gelungenes Buch, dessen Geschichte jedoch im Heute kontextualisiert werden muss. 

Mascha Kaléko: Abrakadabra in der Sullivan Street. Illustriert von Thomas Müller und nachgedichtet von Uwe-Michael Gutzschhahn, 48 Seiten. dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG. München, 2026. 18 Euro. Empfohlen ab 5 Jahren. 

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