Die Autorin, seit mehr als dreißig Jahren kunsttherapeutisch tätig, beschreibt offen, wie ihr der eigene Ansatz mit Pinsel, Farbe und Form zunächst fast unzureichend erschien. Gerade daraus gewinnt das Buch seine Überzeugungskraft.
Es verbindet Grundlagen der Psychotraumatologie, Kriegs- und Fluchterfahrungen, Notfallpädagogik, Traumapädagogik und Kunsttherapie mit einem umfangreichen Praxisteil. Im Zentrum stehen Mal- und Zeichenübungen, Formenzeichnen, Nass-in-Nass-Malen, Wachskreiden, Pastellkreiden, Rituale, Geschichten und Märchen. Alles ist niedrigschwellig, anschaulich und unmittelbar anwendbar.
Besonders eindrucksvoll ist das Formenzeichnen. Geschlossene Formen können Schutz vermitteln, fließende Bewegungen Erstarrung lösen, Spiralen und Lemniskaten Atmung und Nervensystem regulieren. Das geschieht ohne Sprache und ohne Deutung, also ohne das Risiko, traumatisierte Menschen durch Erzählzwang erneut zu überfordern. Auch Farbe erscheint als Resonanzraum: Sie berührt, belebt und eröffnet Zugang zu inneren Kräften.
Das Buch richtet sich an Therapeut:innen, Pädagog:innen, Heilpädagog:innen und Sozialarbeiter:innen, auch ohne vertiefte künstlerische Vorerfahrung. Es versteht Kunst nicht als Ergebnis, sondern als Prozess. Gerade dadurch können Vertrauen, Lebendigkeit und Selbstwirksamkeit wachsen.
Wichtig ist zudem der Blick auf die Selbstfürsorge der Helfenden. Wer mit traumatisierten Menschen arbeitet, braucht eigene Ressourcen. So ist dieses Buch Fachimpuls, Praxisbuch und Ermutigung zugleich. Mein Fazit: lesen, ausprobieren, umsetzen und weitergeben.
Astrid Hansen: Malen und Zeichnen mit traumatisierten Menschen. Kunst als Weg zur inneren Befreiung. Urachhaus, Stuttgart 2026, 396 Seiten, 39 Euro.
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