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Festakt zum 150. Geburtstag von Emil Molt

Angelika Lonnemann

Waldorf-Astoria betrieb für die Belegschaft zwei Erholungsheime, eine Kantine und eine Bibliothek. Eine betriebseigene Sparkasse zahlt überdurchschnittliche Zinsen, und ein Pensionsfonds soll für das Alter vorsorgen. Bildungsangebote wie die Mitarbeiterzeitschrift "Waldorf-Nachrichten" und eine Arbeiter:innen-Bildungsschule, die teilweise während der Arbeitszeit besucht werden konnte, waren neben der gegründeten Schule für die Arbeiter:innenkinder Ausdruck seines Wunsch nach gesellschaftlicher Weiterentwicklung.

Am 14. April 2026 war Molts 150. Geburtstag und die von ihm gemeinsam mit Rudolf Steiner gegründete Schule feierte diesen Tag und das Leben und Wirken Molts mit einem Festakt. Gerahmt von Musik und Eurythmie stellten verschiedene Redner:innen in ihren Grußworten die Eigenschaften von Molt und seiner Ehefrau Berta, die an der Schule als Lehrerin wirkte, heraus. Eine Podiumsdiskussion über Unternehmertum, Werte und Verantwortung rundete den Abend ab.

Die Leiterin des Schulverwaltungsamts der Stadt Stuttgart Kerstin Niendorf betonte die Wichtigkeit von Schulen in freier Trägerschaft: "Mir als gebürtige Brandenburgerin ist die Freiheit der Bildung ein wesentliches Element" und sagte, als Maschinenbauerin könne sie Waldorfbildung mit künstlerischer und handwerklicher Kompetenz nur gutheißen. Nana Göbel, Geschäftsführerin der "Freunde der Erziehungskunst" vertrat die weltweite Waldorfschulbewegung und verwies unter anderem auf die Verbindung von Molts Kindheit und Jugend zu seinem späteren Wirken. Molt verlor früh erst den Vater, dann die Mutter und fühlte sich lange einsam. In der Verbindung zu seiner Frau Berta und später nach der Begegnung mit Rudolf Steiner seien Gemeinschaft und Wärme entstanden. Hans-Georg Hutzel, Vorstand des Bundes der Freien Waldorfschulen, würdigte die Standhaftigkeit Molts, mit der dieser sich gegen eine Vereinnahmung der Waldorfschulen durch die Nationalsozialisten wehrte. "Hier schließt sich auch der Kreis zu heute, wenn wir als Waldorfschulen eine klare Kante gegen Rechts zeigen", so Hutzel. Die Urenkelin von Molt, Deirdre Murphy aus dem irischen Dingle, brachte der Geburtstagsgesellschaft einen symbolischen blauen Wollfaden mit. Kurz vor Molts Tod hatte seine Frau eine blaue Decke gestrickt, die jahrelang in der Familie genutzt wurde und ein Symbol für Molts Liebe und Menschenliebe wurde.

Die Stuttgarter Klassenlehrerin Olivia Girard führte professionell und warmherzig durch den Abend, die Lehrerin Maria Clara Behrens beschrieb einzelne Situationen aus Molts Leben, wie etwa einen Sturz in einen Aufzugschacht auf einer Baustelle, den Molt nur mit einem geschwollenen Knöchel überstand.

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