Waldorf erklärt

Waldorf erklärt: Was kosten Waldorfschulen?

Stimmt es, dass die Waldorfschulen den Staat viel Geld kosten? Waldorfschulen sind doch privat?!

Die Schullaufbahn eines Kindes kostet den Staat durchschnittlich etwa so viel wie ein Auto. Ob es aber etwa ein gebrauchter Klein- oder ein neuer Mittelklassewagen ist, hängt von der Art der Schule und der Länge der Schulzeit ab. Um Licht ins Dunkel der Finanzierung zu bringen, gibt es hier ein paar Zahlen, einen Vergleich und einen Blick in die deutsche Gesetzeslage. Klingt trocken? Los geht’s:

Eine Schüler:in an einer allgemeinbildenden Schule kostet die Bundesrepublik durchschnittlich 9.200 Euro pro Jahr1. Eine Schüler:in an einer Waldorfschule wird dagegen mit etwa 6.500 Euro pro Schuljahr vom Staat finanziert2. Hochgerechnet auf alle 90.500 Schüler:innen der 253 Waldorfschulen in Deutschland ergibt sich, dass der Staat viel Geld einspart; und zwar rund 244 Millionen Euro jedes Jahr. Und es geht noch weiter: Waldorflehrkräfte sind nicht verbeamtet und der Bund der Freien Waldorfschulen finanziert ihre Ausbildung zu einem großen Teil selbst. Die Schulaufsichts- und Finanzbehörden prüfen dabei, wie die Geldmittel verwendet werden.

Und warum fördert der Staat Waldorfschulen überhaupt? Schulen, die ihrer Funktion nach an die Stelle öffentlicher Schulen treten und an denen daher die Schulpflicht erfüllt werden kann, können staatliche Förderung beanspruchen. Im Gegenzug müssen Waldorfschulen gewährleisten, dass ihre Bildungsziele gleichwertig mit jenen staatlicher Schulen sind, ihre Lehrkräfte entsprechend qualifiziert und entlohnt werden und dass sie für alle zugänglich sind, unabhängig von den Einkommensverhältnissen der Eltern. Aufgrund der oben genannten Differenz (9.200 vs. 6.500 Euro pro Schüler:in) müssen die Waldorfschulen Schulgeld erheben, um sicherzustellen, dass sie die gleiche Qualität des Unterrichts bieten, wie staatlich voll finanzierte Schulen. Für Familien, die nur einen kleinen Teil des Schulgeldes bezahlen können, bieten Waldorfschulen in der Regel solidarische Lösungen an. Trotzdem sind die meisten Waldorfschulen faktisch immer noch weniger divers als sie es wollen und sollen.

Auf den Punkt gebracht, kosten die Waldorfschulen den Staat Geld, ebenso wie alle anderen allgemeinbildenden Schulen. Sie kosten ihn jedoch weitaus weniger, als die staatlich voll finanzierten Schulen, die nötig wären, wenn es keine Waldorfschulen gäbe; nämlich 244 Millionen Euro im Jahr.


 


1 Destatis. 1. Dezember 2022,
2 Bildungsökonomische Auswertung der Jahresabschlüsse der Waldorf-Schulträger in Deutschland. 1. Dezember 2022

Kommentare

Fiona Keppel, Münster,

Genau.
Diese Kinder müssten sowieso beschult werden.
Die Waldorfschule bietet Beschulung und alle staatlichen Schulabschlüsse, erfüllt also zu 100% ihre Aufgabe.
Wie kann man dann als Staat überhaupt darauf kommen, pro Schüler weniger zu zahlen?

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