Es kostet eine gewisse Überwindung, in Zeiten wie diesen ein Heft zum Thema Frieden und Friedenspädagogik zu machen. Ich bin ohne Macht, das Weltgeschehen zu verändern, die Kriege, die Verfolgung oder den Imperialismus zu stoppen. Doch wenn wir uns nach der Lektüre unserer Beiträge zum Thema Frieden an etwas orientieren können, was Hoffnung macht oder diese Ohnmacht ein wenig beiseiteschieben kann, dann ist es, dass wir im Kleinen anfangen können – da, wo wir als Bürger:innen und Menschen Einfluss haben. Nämlich in den Situationen, in denen wir handeln können: in der Familie, in der Schule, am Arbeitsplatz, im Bus, in unserem Wohnort.
Es gibt die These, dass Waldorfpädagogik eine Art von Friedenspädagogik sei. Das klingt zunächst sehr hehr und heilig und mir fallen dazu im ersten Moment die ganzen Fälle von Gewalt, Missbrauch, Mobbing ein, die es auch an Waldorfschulen gegeben hat beziehungsweise gibt, oder mit wieviel Zorn sich Familien nach bitterbösem Streit von Waldorfschulen verabschiedet haben. Es kann also nicht so weit her sein mit der Friedenspädagogik, oder? Nehmen wir jedoch auch hier an, dass Friedenspädagogik nicht per se für Frieden sorgt, sondern einen friedlichen Zustand anstrebt, dann können wir uns sehr gut einlassen auf diesen Gedanken.
Die Abiturientin Lieve Quentin hat sich für ihre Jahresarbeit mit dem Thema Frieden beschäftigt. Frank de Vries beschreibt den Friedensbegriff bei Rudolf Steiner und wie dieser konkret zu Gedanken zum gesellschaftlichen Wandel in Form der Dreigliederung wurde. Ann-Katrin Neundorf berichtet über das Streitschlichten, und wie Schüler:innen das lernen können am Beispiel der Waldorfschule Kräherwald Stuttgart. Klara Lonnemann hat sich mit zwei ehemaligen Waldorfschülern und einer Waldorfschülerin unterhalten, für die Frieden und ihre Arbeit in der Bundeswehr kein Gegensatz, sondern logisch sind. Und Xandra Fritz beschreibt ihre Gedanken und Gefühle als Mutter einer Waldorfschülerin, die nach der Schule zum Heer möchte.
Hinweisen möchte ich Sie hier noch auf den Artikel des Schülers Juri Kirstein über die Wiederbelebung der Zwölftklassarbeiten an seiner Schule, auf den Text von Sibylla Hesse über ihren Geschichtsunterricht vor Ort und auf den Beitrag von Dorothee Raiser über die kultische Handlung, die es nur noch an wenigen Schulen zu geben scheint.
Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre und Shalom, Salam und Frieden.
Ausgabe 05/26
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