Der zehnjährige Tom ist eigen. Er braucht klare Abläufe und Regeln. Ansonsten wird ihm schnell alles zu viel. Und Tom hat Zwänge. Zum Beispiel möchte er von niemandem angefasst werden, einzige Ausnahme: seine Mutter. In dem Spielfilm Grüße vom Mars (nach dem gleichnamigen Kinderbuch) tauchen wir in Toms Welt ein. Bild- und Tonebene lassen uns die Welt mit seinen Sinnen wahrnehmen. Immer wieder verschwimmt das Bild, die Kamera sucht den Fokus. Zusätzlich visualisieren Zeichentrickelemente Toms Sicht auf die Dinge. In Situationen, die für Tom emotional stressig sind, erklingen Stimmen und Hintergrundgeräusche gleichlaut, eine nervenaufreibende Kakophonie. Aber wir hören auch Toms innerer Stimme zu und können ihn so besser kennenlernen. Tom hat einen großen Traum. Er möchte Astronaut werden und als erster Mensch den Mars bereisen. Der sympathische Junge mit ernstem Gesicht und großen Augen lebt mit seiner Mutter und seinen beiden pubertierenden Geschwistern zusammen. In der Familie sind alle im Umgang mit Toms Eigenheiten geübt. Manchmal reagieren sie verständnisvoll, manchmal genervt, aber immer liebevoll.
Der Film beginnt damit, dass die Mutter den Kindern eröffnet, dass sie die Sommerferien allein bei den Großeltern auf dem Land verbringen werden. Die Mutter, die seit dem Tod des Vaters die Familie ernährt, muss als Auslandskorrespondentin für vier Wochen nach China. Für ihren konsternierten Jüngsten hat sie sich vorsorglich etwas einfallen lassen. Sie schenkt ihm ein Logbuch und schlägt ihm vor, die Reise als Forschungsexpedition zu betrachten: «Wenn du Oma und Opa schaffst, dann schaffst du’s bestimmt auch zum Mars.» Der Aufenthalt bei den charmant entspannten und etwas chaotischen Großeltern stellt alle drei Geschwister vor Herausforderungen. Tom, der im Raumanzug und mit Helm auf dem Kopf zu Oma und Opa reist, eckt dort erstmal an. Alle ungewohnten Erfahrungen notiert er in seinem Logbuch. Der Alltag schnurrt nicht wie zu Hause, aber es gibt unverhofft viel Zeit und Raum für seine Passion, das Weltall. Mit Humor und Geduld raufen sich Großeltern und Enkel zusammen. Und Woche um Woche selbstständiger in Alltagsdingen und er löst das Rätsel um einen abgängigen Asteroiden.
«Ängste und Überforderungen gehören zum Leben dazu – heute ganz besonders. Wir dürfen sie nicht wegdrücken, sondern sollten sie zulassen, darüber reden und – gemeinsam mit anderen – daran arbeiten», schreibt Regisseurin Winkenstette zu ihrem Film. Toms Nöte stehen stellvertretend für die Nöte vieler Heranwachsender. Erst gegen Ende des Films erfahren wir, dass Tom eine Störung aus dem Autismus-Spektrum hat. Grüße vom Mars überzeugt durch die warmherzige Leichtigkeit der Erzählung und durch ein fantastisches Schauspieler:innen-Ensemble.
Ein Film für die ganze Familie, empfohlen ab zehn Jahren, als DVD und VOD erhältlich.
Im Bereich Medien auf der Webseite der Erziehungskunst können Sie alle bislang veröffentlichten Filmempfehlungen für Kinder und Jugendliche nachlesen.
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