Ausgabe 10/25

Haltung und Kompetenz sind vorhanden

Hans Hutzel


Zu diesem Ergebnis kam eine Befragung von 70 Waldorfschulen im Rahmen der großen Online-Erhebung Das #WIR in Waldorf – Kollegium macht Schule. Diese Studie hatte der Bund der Freien Waldorfschulen (BdFWS) in Auftrag gegeben. Entwickelt und durchgeführt wurde sie von dem Augsburger Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Klaus Zierer und seinem Team. 

Was können wir an Waldorfschulen für eine lebendige, erfahrbare Demokratie tun? Stiftungsfinanziert wollten wir vom Vorstand des BdFWS diese Frage evidenzbasiert erheben und unmittelbar in eine positive Entwicklung kommen. Unsere Hypothese war, dass Waldorfschulen als Schulen in Freier Trägerschaft (SiFT) viel zur Demokratie beitragen können und müssen, weil sie existenziell von demokratischen Strukturen abhängig sind. 

Gemeinsam mit Zierer und seinem Team haben wir einen auf SiFT abgestimmten Demokratiefragebogen mit 20 Fragen an die Kolleg:innen entwickelt. Erhoben wurden die Felder Lehrerhaltung, also die Frage, wie ich als Lehrperson mit strittigen gesellschaftlichen Themen und polarisierenden Ansichten der Schüler:innen umgehe und ob solche Themen an der Schule zugelassen werden. Es wurde individuell die Kompetenz der Lehrpersonen zu diesen Themen abgefragt: fachliche Kenntnisse, verschiedene Konzepte im Umgang damit und die Frage zur Bedeutung des Beutelsbacher Konsens‘ wurden erhoben. Zudem wurde nach der Schulstruktur gefragt: Existieren demokratische Strukturen? Wie ist die Meinungsbildung unter Einbeziehung der Eltern – ein Item, das besonders bei SiFT demokratische Kultur ermöglichen sollte. Und es ging um unterrichtliche Methoden und Umgangsformen und wie Demokratiebildung als Querschnittsaufgabe gesehen wird. 

Wir vom BdFWS haben keine Daten von den einzelnen Schulen erhalten, sondern nur die Gesamtauswertung. Ein erster aufschlussreicher Überblick liegt vor. Wir sehen, dass die Stärken in der Lehrer:innen-Haltung und in der Lehrer:innen-Kompetenz gesehen werden, wohingegen die Bereiche Struktur und Unterricht weniger stark eingeschätzt wurden. Dies ist erstaunlich und eher unerwartet. Es zeigt sich «zwar ein hohes Selbstverständnis und Selbstbekenntnis zur Demokratiebildung insgesamt» (Zierer), aber gerade die offensichtliche Stärke unserer auf Selbstorganisation basierenden Schulstruktur wird eher unterdurchschnittlich eingeschätzt. 

Diesen Fragen wollen wir in weiteren Forschungen nachgehen und in Workshops mit den teilnehmenden Schulen daran praktisch arbeiten. Daher planen wir eine Folgestudie, die auch die Wahrnehmung der Schüler:innen erfragt. Wir hoffen, für die Vertiefung die nötige Finanzierung bei Stiftungen erwirken zu können. Lohnend ist es: Für die Schulbewegung und für unser demokratisches Gemeinwesen, das es zu stärken und zu schützen gilt. 

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