Handlungsorientiert bedeutet, Schüler:innen sind aktiv, Lehrkräfte sind auch Lernbegleiter:innen oder Moderator:innen. Anstatt trockene Theorie auswendig zu lernen, erarbeiten sich die Schüler:innen Wissen selbst durch praktisches Tun, eigene Erfahrungen und die Lösung von Aufgaben, die mit ihrer Realität zu tun haben. Unterricht kann plötzlich Erfahrungen ermöglichen: sinnliche, streitbare, gegenwärtige, die dann reflektiert werden.Wenn es nicht so ein Klischee wäre, würde ich schreiben, dass ich sofort noch mal Schülerin sein möchte, wenn ich die Unterrichtsbeschreibungen in diesen Texten lese.
Ulrike Sievers beschreibt Schule als einem Ort, an dem man eintauchen darf: in Themen, in Arbeitsprozesse, in Beziehungen. Wo aus dem Tag mehr wird als ein Abarbeiten, weil Rhythmen entstehen, die Konzentration und Ruhe ermöglichen. Diese Form von Zeit wirkt nicht nur auf das Lernen, sondern auch auf das Miteinander: weniger Hektik, mehr Verlässlichkeit, mehr Raum, um etwas aufzubauen. Ein Autor:innentrio beschreibt Literaturepochen, in denen Literatur aus dem Buch heraustritt und den Schüler:innen begegnet. Aus Literatur wird Kunst: Gedichte, die befragt werden wie Farben und Temperaturen, Texte, die als Installationen im Raum neu entstehen, ein Klassenzimmer, das zum Museum wird. Unterricht wird zu einem Erfahrungs- und Reflexionsraum, in dem Gegenwart, Biografie und Weltwissen zusammenkommen. Besonders eindrücklich ist, wie vielfältig Lernen werden kann, wenn es nicht auf das geschriebene Wort verengt bleibt, wie etwa an der gruuna Schule in Chemnitz. Projekte, Ausstellungen, Präsentationen, Podcasts und digitale Werkzeuge öffnen Türen für unterschiedliche Begabungen. Lernen bekommt eine sinnliche, soziale und kreative Dimension, die lange nachklingen kann.
Anabell Dreber stellt in ihrem Text die Frage, was das Menschlichste sei, das gelehrt werden könne. Sie appelliert in ihrem Text dafür, weniger Stoff zu vermitteln, und Schüler:innen dabei zu unterstützen, ihre Urteilskraft auszubilden. In einer Zeit, in der vieles vorstrukturiert und optimiert wird, wächst der Wert dessen, was nur Menschen können – abwägen, Verantwortung übernehmen, urteilen und handeln.
Auch sonst können Sie wieder viel Spannendes in unserem Magazin entdecken: warum Turnunterricht an Waldorfschulen nicht mehr Turnunterricht heißt, wie die Berater:innen in der Schlichtungsstelle des Bundes der Freien Waldorfschulen arbeiten und was einen Karlsruher Waldorflehrer mit dem Nobelpreisträger Roger Pennrose verbindet.
Viel Spaß beim Lesen!
Ausgabe 07-08/26
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