Ausgabe 12/25

Handys in Schulen komplett verbieten!

Hans Hutzel


Ich fühle mich nicht als Verbotstyp und schätze Freiheit als erhaltenswertes Gut. Ebenso hoch achte ich den selbstbestimmten Umgang mit der Technik. Auch sehe und schätze ich die partizipativen Wirkungen von Handys. Hier und auch weltweit, wie etwa bei der emanzipativen Kampagnenfähigkeit der Frauen im Iran. Ich bin der Überzeugung: Du musst kein «slave» sein, sei «Master»! Achtung: veraltet und wegen rassismussensibler Konnotation zum Glück in der IT-Welt nicht mehr gebräuchlich. Ist das schon Verbieteritis?!  Anderes Thema!

In den letzten Tagen habe ich alle Pädagog:innen und Erziehungskünstler:innen, derer ich habhaft werden konnte, gefragt: Bist du für oder gegen ein Handyverbot an Schulen? Meine private Statistik ergibt: Viele sehen die Problematik. Sehr viele vertrauen auf die Kraft der Pädagogik. Wenn die Kinder unterm Tisch aufs Handy schauen, sei das ein Zeichen, dass der Unterricht nicht interessant genug sei und daher ein Ansporn an die Lehrperson. Nun ja, wie gut, spannend und medienturbulent müsste ein Unterricht sein, der gegen TikTok und Co. anstinken will? Und können wir so einen Unterricht eigentlich wollen? Andere berichten, dass sie durch gezielte pädagogische Ansprache die Smartphoneritis bändigen könnten. Eine dritte Gruppe sagt: Wieso verbieten? Ich setze Handys als Werkzeug im Unterricht ein.

Zum Gebrauch von Handys im Unterricht ein Querverweis auf die neueste Hattie-Studie: Das ist okay, führt aber nicht zu signifikant besserem Unterricht. Wenn es wirklich gut gemacht wird, schadet es bestenfalls nicht. Um uns herum Frankreich, die Niederlande, Großbritannien, Italien und Österreich, die ein Handyverbot an Schulen haben, wie ich im aktuellen Katapult Magazin lese. Übrigens: sehr empfehlenswertes Magazin! Dazu habe ich noch einen erschütternden Artikel von Sascha Lobo gelesen, der dramatisch aufzeigt, wie TikTok in neuer Ausprägung gezielt auf unsere Wahrnehmung wirken soll!

Liebe Kolleg:innen, nach Abwägung all dieser Argumente befürchte ich, dass es ohne Verbot nicht geht. Wir überfordern uns als Erziehungskünstler:innen, wenn wir mit unseren Mitteln den notwenigen Kampf gegen die Versmartphonisierung der Welt und vor allem der Köpfe der Kinder aufnehmen. Gerade für eine gelingende Pädagogik brauchen wir den Freiraum und das Engagement, das wir durch die Sedierungsmaschine Handy unterdrücken. Schweren, freiheitsliebenden Herzens ist das mein Standpunkt: Handys gehören in Schulen komplett verboten. Ob wir es ab frühestens Klasse 9 pädagogisch einsetzen und nutzen, darüber grüble ich noch nach.

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