Ausgabe 12/25

Im Dialog mit dem Noch-Nicht

Martin Konrad

Szene aus einem der Workshops bei der Confluence, zu der die Jugendsektion des Goetheanums eingeladen hatte.

Es birgt eine besondere Kraft, mit Jugendlichen in einen Austausch zu treten – und gemeinsam nachzudenken: über ihre Zukunft, ihre Rolle darin, den Sinn des Lernens, ihre Entwicklung und die Bedeutung von Bildung. Ich stelle mir die Frage, wie eine jugendgeführte Bildungstransformation aussähe. Gerade in solchen Begegnungen entsteht ein Bewusstsein dafür, dass eine Transformation von Bildung nicht allein von außen vorgegeben werden kann, sondern dass junge Menschen aktiv daran beteiligt sein sollten.

Unter dem Titel Structures for Freedom – Social Riddles of Education fand im vergangenen Juli eine intergenerationale Confluence der Jugendsektion des Goetheanums statt. Confluence bedeutet Zusammenkommen mit dem Fokus auf Zuhören und Ideen-
austausch. Rund 50 junge Menschen und einige ältere aus aller Welt kamen für fünf Tage zusammen, begleitet von Musik, Austausch, gemeinsamer Arbeit und dem Gestalten von Räumen für Begegnung und Nachdenken. Im Mittelpunkt stand die produktive Spannung zwischen den widersprüchlichen Begriffen Strukturen und Freiheit – eine Konstellation, die sowohl für schulische Lernprozesse als auch für gesellschaftliche Entwicklungswege entscheidend ist.

Und das als intergenerationale Veranstaltung für eine Organisation, die sich auf die Arbeit mit jungen Menschen von 14 bis 28 Jahren fokussiert. Genau wie in der Schule ist es auch hier entscheidend, ob wir mit ehrlichem Interesse zusammenkommen und das Wahrhaftige verfolgen.

Ein engagiertes Team junger Leute unter der Leitung von Martin Schwarz und Keivan Azimi führte uns durch das Treffen. Es ging von der eigenen Entfaltung im Zusammenspiel des Innen und Außen und dem Erleben des inneren Feuers über die Auseinandersetzung mit der Frage, wie ich in der Welt bin und die Welt in mir, bis hin zur Transformation als menschlicher Fähigkeit und dem gemeinsamen Säen von Zukunftssamen. Wie eine Pflanze, die in ihrer Umwelt mit ihrer ureigenen Kraft wächst, sich ihren Platz sucht, sich verwandelt, blüht und dann mit ihren Samen die Welt verändert.

Im Fokus standen zunächst Überlegungen dazu, welche Qualitäten und Strukturen gutes Lernen braucht – ausgehend von jeweils eigenen Erinnerungen an Momente, in denen die Teilnehmenden bisher am profundesten gelernt haben. Es fielen die Stichworte Neugierde, Leidenschaft, Inspiration, den ganzen Menschen sehen, in Gemeinsamkeit und Unterschieden, in der Zeit und in der Kultur stehen. Wie wir in einen Dialog treten können mit dem, was wir noch nicht sehen – darum ging es im Abschluss. Und auch die Rolle der jeweils eigenen Kultur beim individuellen Lernen sollte berücksichtigt werden.

Ich habe als Teil der Confluence einen der Workshops gestaltet, in dem sich eine Gruppe von neun Teilnehmenden dreimalig traf. Wir haben uns mit der Frage nach einer Umgebung beschäftigt, die die Entwicklung von Kindern und jungen Erwachsenen bestmöglich unterstützt. Dafür unterhielten wir uns erst mit unserem sogenannten Future Mind, also einer zukünftigen Version von uns selbst, indem wir uns in eine Vorstellung der Zukunft versetzt haben und erspürten, wie sich diese wohl anfühlt. Ohne alles zu hinterfragen, was dagegensprechen könnte, haben wir uns diese Entwicklungsumgebung vorgestellt und sie dann miteinander geteilt. Darauf basierend entwickelten wir Designprinzipien für die Schule der Zukunft als einen ersten Schritt auf unserem Weg in die Zukunft.

Immer wieder tauchte bei alldem die Frage auf, auf welche Gesellschaft wir unsere Kinder eigentlich vorbereiten und welche Rolle uns beim Mitgestalten dieser Gesellschaft zukommt. Antworten darauf zu finden, wird eine Aufgabe sein, der sich die Teilnehmenden der Confluence und hoffentlich viele weitere Menschen weltweit in der nächsten Zeit widmen. Die Arbeit von Structures for Freedom geht weiter. Ich freue mich, wenn Du dabei bist. 

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