Ausgabe 04/26

Lehrkräfte und Schüler:innen prompten gemeinsam!

Stephanie Sell


Viele stehen auf «Positiv». Die Welt dort wirkt eng, bunt und fröhlich, wie auch die Stimmung ihrer Erbauer:innen. Ich schäme mich schier, dass ich mich mit meiner kritischen Zukunftsvision auf «Negativ» positioniert habe und bin froh, dass ich meine Sichtweise erläutern darf. 

Ich befinde mich in einem Workshop des Waldorf FutureLab, einer Tagung zum Thema KI und Waldorfschule, die an der Freien Waldorfschule Isartal organisiert wurde. In vielen Workshops und Kurzvorträgen führten uns Expert:innen in die Möglichkeiten von KI ein und machten zugleich auf mögliche Fallstricke aufmerksam. Die bunte Mischung aus Lehrkräften, Schüler:innen, Eltern und Interessierten der örtlichen Wirtschaft führte zu bereichernden, multiperspektivischen Gesprächen. Deutlich wurde: Die Schüler:innen sind schon längstens auf dem Weg. Beim Bearbeiten der Hausaufgaben werden zum Teil mehrere KI-Tools pro Tag genutzt, da man bei den Freiversionen nur eine begrenzte Anzahl von Anfragen tätigen darf. Aus Sicht von Arbeitgeber:innenseite wird im FutureLab berichtet, dass KI nur so gut sein kann, wie der Mensch, der sie befragt. Immer häufiger entscheiden sich Unternehmen daher für Absolvent:innen aus den Geisteswissenschaften, bei denen sie eine hohe sprachliche Präzision erwarten. 

Ansonsten kommt es ihnen vor allem auf grundlegende Zukunftskompetenzen an: kritisches Denken, Problemlösekompetenz, Kooperationskompetenz, ethisches Bewusstsein, Selbstkompetenz und Kreativität. Digitale Anwendungskompetenzen werden vorausgesetzt und in Vorstellungsgesprächen meist gar nicht mehr abgefragt. Den Expert:innen ist klar, dass an Waldorfschulen ein besonderes Augenmerk auf der Entwicklung dieser Kompetenzen liegt. Sie betonen die Zukunftsfähigkeit der Waldorfpädagogik. Auf die Befürchtung, dass durch die bevorstehende Entwicklung die Grenze zwischen Mensch und Maschine immer stärker zu verwischen drohe, gab ein Schüler zu bedenken, dass er genau das Gegenteil annähme. KI zwänge den Menschen dazu, das spezifisch Menschliche immer genauer herauszuentwickeln und das seien für ihn Fähigkeiten wie beispielsweise Empathie, Kreativität und ethisches Bewusstsein. 

Besonders bereichernd fand ich die Anregung eines Experten, das Prompten, also das Beauftragen einer KI, in altersgemischten Teams zu üben. Während die Jugend die unbekümmerte Experimentierfreude mitbrächte, könnten Erwachsene mit ihrem Erfahrungshintergrund beitragen, die Prompts zielgerichtet zu gestalten. Vor meinem inneren Auge sehe ich Lehrkräfte und Schüler:innen gemeinsam das Feld ausloten und interessante Unterrichtsformate entwickeln. Schule als Zukunftslabor: diese Aussicht begeistert mich! 

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