als Wecker, als Radio, als Kamera, wir kaufen uns Fahrkarten, wir orten unsere Verwandten, es ist unser Adressbuch, unser Notizbuch, unser Nach-
schlagewerk, unsere Landkarte, wir bezahlen damit an der Kasse. Medien wie das Smartphone sind heute kein bloßes Werkzeug mehr, sondern ein integraler Bestandteil unserer Lebenswelt – sie gestalten soziale Beziehungen, Lernprozesse und die Konstruktion von Wirklichkeit.
In einer von KI-Anwendungen und Social-Media-Plattformen geprägten Gesellschaft ist die Medienpädagogik relevanter denn je. Sie ist nicht mehr nur ein Nischenbereich, sondern sie schult Schlüsselkompetenzen für gesellschaftliche Teilhabe. Das Ziel von Medienpädagogik ist es, Medienkompetenz zu fördern – weg von dem Schützen vor Gefahren, hin zu einem befähigenden, reflektierten und kreativen Umgang. Angesichts von Desinformation, Cyber-Mobbing und intensiven Nutzungszeiten von vielen Stunden täglich bei Jugendlichen müssen alle Pädagog:innen Orientierung bieten und kritisches Denken fördern. Die Kernaufgabe ist es, Kinder und Jugendliche dabei zu unterstützen, von passiven Konsument:innen zu souveränen Gestalter:innen der eigenen Medienumwelt zu werden.
Viele Jahre lang gab es in Waldorfschulen eine große Skepsis allem Digitalen gegenüber. Eltern, die einen Fernseher zuhause hatten, wurden kritisch beäugt, Schulen erklärten sich zu handyfreien Zonen – das wirkte auf manche Menschen übertrieben altmodisch und rückständig. Mit der Coronapandemie entstanden an vielen Waldorfschulen – oft unter Federführung technikbegabten Schüler:innen – neue technische Zentren, die Onlineunterricht ermöglichten – und oftmals hatten plötzlich alle Lehrkräfte eine Emailadresse! Inzwischen haben Länder wie Australien Social-Media-Verbote für Kinder unter 16 Jahren verfügt und viele Schulen in Australien und andernorts verbieten Handys generell – und die Waldorfschulen scheinen mit ihrer Skepsis wieder sehr modern.
Diese Ausgabe der Erziehungskunst ist in Zusammenarbeit mit Medienpädagogik-Expert:innen der Freien Hochschule Stuttgart und der Alanus Hochschule entstanden. Robert Neumann, Paula Bleckmann, Franz Glaw und Nino Mindiashvili zeigen Beispiele, wie einerseits mit analogen Unterrichtsmaterialien Fähigkeiten für spätere Medienkompetenz entwickelt werden können und wie Medienpädagogik in diverse Unterrichtsformen integriert werden kann, ohne dass Schulen gleich ein ganzes Unterrichtsfach «Medienpädagogik» installieren müssen. Der Oberstufenschüler Johan Mateo Grimsehl appelliert für mehr Mut zur Technik.
Es gibt noch viele andere lesenswerte Texte in dieser Erziehungskunst: zum Beispiel unterrichtet die Waldorfpädagogin Xandra Fritz Gefangene in einer Justizvollzugsanstalt und berichtet davon, welche Elemente der Waldorfpädagogik auch an diesem Ort wirken können. Stefan Holz von den Freunden der Erziehungskunst beschreibt ein Portal, in dem wir unseren CO2-Verbrauch freiwillig ausgleichen können und damit Waldorfein-richtungen unterstützen können, wo der Klimawandel besonders harte Folgen hat.
Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre und einen April, in dem Sie mit Ihren Kindern die analoge, reale Frühlingswelt genießen können!
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