Ausgabe 09/25

Moritz in der Litfaßsäule von Rolf Losansky – ab 10 Jahren

Maria Knilli
© DEFA-Stiftung Klaus Zahler


Moritz ist neun Jahre alt. In der Schule tut er sich schwer. Er schafft es nicht, die Aufgaben in der vorgesehenen Zeit zu lösen, besonders in Rechnen. Herr Geiger, sein Lehrer, und die Mitschüler:innen hänseln ihn deswegen. Moritz heißt mit Nachnamen Zack. Das passt wirklich gar nicht zu ihm, denn er liebt es, sich Zeit zu nehmen, in aller Seelenruhe nachzudenken und seiner blühenden Phantasie freien Lauf zu lassen. Herr Zack, sein Vater, ist Sparkassendirektor und stets super getaktet. Er hat nur wenig Verständnis für Moritz Nöte und Zeit hat er auch keine für ihn. Auch die Mutter ist immer in Eile. Sie studiert neben der Arbeit und treibt Moritz und seine drei Schwestern an, ihr im Haushalt zur Hand zu gehen. Moritz ist den anderen immer zu langsam, egal ob beim Abendbrot am Familientisch oder beim Rechnen in der Schule. Als dann noch sein Freund, Markus mit der Trompete, in eine andere Stadt zieht, fühlt Moritz sich gar nicht mehr wohl. Er beschließt, von zu Hause auszureißen und obendrein die Schule zu schwänzen.

Moritz hat sich ein schlaues Versteck überlegt: Auf dem Marktplatz steht eine Litfaßsäule. Die große, bunt beklebte Säule ist innen hohl. Der Straßenfeger, der auch dafür zuständig ist, die Plakate auf die Litfaßsäule zu kleistern, bewahrt seine ollen Besen und seine Leiter darin auf. Moritz staunt nicht schlecht, als er nachts in der Litfaßsäule auf eine sprechende, ziemlich vorlaute Katze trifft. Das Innere der Litfaßsäule ist auch ihr Zufluchtsort. Draußen kündigt ein Plakat einen Zirkus an. Moritz lernt das hübsche Mädchen Kitty kennen, sie ist Seiltänzerin und lädt ihn zu einer Zirkusvorstellung ein. Während Familie Zack und die Schule sich große Sorgen machen, hat der freundliche Straßenfeger Verständnis für den eigenwilligen Jungen und verpfeift ihn nicht. Im Gegenteil, er nimmt sich Zeit, um mit Moritz über das Leben zu philosophieren.

«Es steckt im Menschen so eine Sehnsucht, etwas zu suchen oder auf etwas zu warten.
«Ich warte, dass ich ganz schnell erwachsen werde.»
«Wieso denn? Sei doch froh, dass du noch ein Kind bist. Kinder sind glücklich. Sie sehen die Welt noch mit drei Augen. Das dritte Auge, das gibt ihnen den bunten Blick.»
«Das dritte Auge, aber wo haben sie denn das dritte Auge?»
«Innen. Man sieht es nicht. Aber wenn sie erwachsen werden, dann verlieren sie es.»
«Alle?»
«Fast alle.» 

Moritz in der Litfaßsäule ist ein altmodischer, aber zeitloser Film aus dem Archiv der DEFA-Stiftung, die das Filmerbe der DDR kuratiert. Er lädt dazu ein, die Welt mit den Augen des Jungen zu sehen. Regisseur Rolf Losansky setzt dafür verschiedene analoge Filmtricks ein, wie Zeitraffer und Doppelbelichtungen, Überblendungen und Stop-Motion-Animation. Das ist sehr vergnüglich. 

Moritz in der Litfaßsäule ist ein Film für Klein und Groß (empfohlen ab 10 Jahren), Erwachsene werden insbesondere die Reise in eine vergangene Zeit, die frühen 1980er Jahre in der DDR, zu schätzen wissen. Moritz in der Litfaßsäule ist als DVD und als Video on Demand (VOD) erhältlich.

Im Bereich Medien auf der Webseite der Erziehungskunst können Sie alle bislang veröffentlichten Filmempfehlungen für Kinder und Jugendliche nachlesen.

Kommentare

Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Kommentar hinzufügen

0 / 2000

Vielen Dank für Ihren Kommentar. Dieser wird nach Prüfung durch die Administrator:innen freigeschaltet.