Ich habe mich für diese Ausgabe der Erziehungskunst mit dem Waldorfvater Martin unterhalten, der als Kind Mobbing und Lehrerwillkür an einer Waldorfschule erlebt hat. Heute engagiert er sich an der gleichen Schule im Elternrat. Es war für mich sehr berührend zu hören, wie es ihm gelungen ist, Jahre der Hilflosigkeit aufzuarbeiten, und wie er heute über die Vergangenheit sprechen kann.
Laut einer Umfrage der Techniker Krankenkasse erlebt jedes sechste Schulkind Mobbing, heute auch oft in Form von Cybermobbing. Erwachsene müssen reagieren, das Verhalten genau betrachten und gemeinsam, also Schüler:innen, Eltern und Lehrkräfte, Lösungen finden. Mobbing ist Gewalt. Meist ist es ein Gruppenverhalten, ein wiederholtes, absichtliches Schikanieren, Beleidigen oder Ausgrenzen. Dabei geht es um Macht. Wenn andere lachen, wenn ich jemanden beleidige, dann stachelt mich das an, das gleich nochmal zu tun. Wie ein Schulsozialarbeiter in Berlin reagiert, wenn Schüler:innen gemobbt werden, das hat er Anne Brockmann erzählt. Die Autorin Astrid Frank fordert, dass sich alle Schulen diesem Thema stellen müssen, da in der schulischen Präventionsarbeit die größte Chance für eine Gesellschaft liege, die alle Individuen schützt und das Wir stärkt. Anne Brockmann hat auch ein Gespräch mit Kirsten Heberer geführt, der Ansprechpartnerin für Mobbing im Bund der Freien Waldorfschulen. Sie sieht einen Zusammenhang zwischen dem Vorkommen von Mobbing und den Entscheidungs- und Machtstrukturen an Waldorfschulen. Weder der autoritäre noch der absolute Laissez-faire-Stil seien hilfreich, sondern eine kollegiale Zusammenarbeit auf Augenhöhe – mit Verantwortlichkeiten, Entfaltungsraum und Transparenz.
Aufmerksam machen möchte ich Sie noch auf den Artikel von Heidi Käfer über die neuen Englischlektüren, die in der Pädagogischen Forschungsstellen veröffentlicht wurden. Martyn Rawson schlägt für die Lehrer:innenbildung ein dreistufiges Modell für Waldorfschulen vor: Anfänger:innen, qualifizierte Lehrkräfte und Masterlehrkräfte. Der Balinger Lehrer Holger Grebe hat seinen israelischen Kollegen Ofer Sagie in seinen Unterricht eingeladen und ließ seine Klasse so einen Zeitzeugen des Nahost-Konflikts kennenlernen.
Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen und einen menschenfreundlichen März.
Ausgabe 03/26
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