Ausgabe 11/26

Rausch, Erfahrung, Abhängigkeit

Angelika Lonnemann


Unser Heft handelt diesmal von Sucht und Abhängigkeit. Sucht beginnt nicht unbedingt dort, wo wir Erwachsene sie zuerst vermuten. Nicht jeder Rausch, nicht jedes intensive Video­spielen und nicht jede auffällige Beschäftigung mit Essen ist bereits eine Abhängigkeit. Doch wenn eine Substanz oder ein Verhalten das Leben immer stärker bestimmt, Freude und Beziehungen verdrängt und die Freiheit einengt, müssen Eltern und Lehrkräfte aufmerksam werden. Die Beiträge dieses Heftes zeigen, wie unterschiedlich Suchterkrankungen auftreten können: als Alkohol- und Drogenkonsum, exzessives Spielen, problematische Mediennutzung oder Essstörung. Gemeinsam ist ihnen, dass Vorwürfe und vorschnelle Urteile nicht helfen. Jugendliche brauchen uns Erwachsene. Wir müssen genau hinsehen, zuhören und den Mut haben, schwierige Fragen zu stellen: Was fehlt Dir? Wonach suchst Du? Und was können wir tun? 

Die Wörter «Sucht» und «Suche» sind übrigens etymologisch nicht miteinander verwandt, «Sucht» kommt von «Siechen», dem alten Wort für Kranksein. Besonders deutlich wird in unseren Beiträgen, wie wichtig es ist, schon früh zu handeln. Magersucht ist lebensgefährlich. Auch andere Abhängigkeiten können Körper, Seele und Beziehungen dauerhaft schädigen. Zugleich richtet sich der Blick auf Resilienz und Prävention. Sichere Beziehungen, Selbstwertgefühl, Frustrations­toleranz, freies Spiel, Bewegung und sinnvolle Aufgaben stärken alle Menschen – Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Schule kann Räume schaffen, in denen Schüler:innen Grenzen erleben, scheitern, neu beginnen und in Verbindung gehen. Vielleicht liegt darin der wichtigste Schutz: Kinder und Jugendliche so zu begleiten, dass sie sich selbst und das Leben als tragfähig erleben. 

Wir haben auch sonst schöne und wichtige Texte im Heft: Der Soziologe Hartmut Rosa war in der Freien Waldorfschule Emmendingen und diskutierte dort mit Schüler:innen. Eine IT-Managerin, ehemalige Waldorfschülerin und heute Waldorfmutter, sprach mit mir über KI und was daran gut für Waldorf ist. Unser Autor Franz Glaw nimmt die aktuelle PISA-Studie zum Anlass, für mehr Informationskompetenz im Unterricht zu werben. Dagmar von Falkenburg ist Religionslehrerin in Hamburg und beschreibt, wie dort Religionsunterricht in einer multikulturellen Gesellschaft aussieht. Und die Freunde Waldorf organisieren seit 20 Jahren, dass junge Menschen aus der ganzen Welt in Waldorfeinrichtungen ein Soziales Jahr machen.

Viel Spaß beim Schmökern und Entdecken!
 
  

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