Aus Wut, und weil seine besten Freunde nicht zur Stelle waren. Jetzt sitzt er also da und wird behandelt wie ein Schwerverbrecher – wegen eines Schriftzugs und eines kaputten Spielplatzhubschraubers im nächstgelegenen Kindergarten. Alles ganz schön übertrieben, was seine Eltern da verlangen, vor allem sein Vater, findet Lennox. Überraschenderweise ist er mit dieser Meinung nicht allein, wie er nach der Ankunft bei seiner Tante Mieke feststellt. Die ist mit der «Konsequenz» ihres Bruders auch nicht ganz einverstanden. Vielleicht ist es also doch gar nicht so schlimm nicht mit seinen wütenden, enttäuschten Eltern im Hotel zu sitzen?
Vor allem als sein «soziales Projekt» sich als eine zwar ziemlich ruppige, aber auch beeindruckende junge Frau herausstellt. Dass Grit im Rollstuhl sitzt, macht vor allem die Umgebung zum Problem, denn sie selbst weiß sehr genau, wohin sie will. Nach Berlin, allein, zum Studieren. Nach anfänglichem Misstrauen entwickelt sich eine vorsichtige Freundschaft zwischen den beiden, die schon bald auf die Probe gestellt wird. Denn ob das Selbstvertrauen durch fehlende Barrierefreiheit oder die Einschüchterung durch Eltern erschüttert wird: beide stehen vor der Herausforderung, für sich einzustehen und ihre Bedürfnisse geltend zu machen. Das ist von außen jedoch immer leichter gesagt als getan.
Das neue Buch von Judith Mohr begeistert wie bereits Cole und die Sache mit Charlie mit starken, facettenreichen Protagonist:innen. Voller Empathie begegnen die Lesenden den inneren Konflikten von Lennox und sein Ringen um das Vertrauen in sich selbst. Dabei werden die Erwachsenen um ihn herum kritisch hinterfragt und als ebenso fehlbar und manchmal hilflos gezeigt. Die Diskriminierungen und Barrieren, mit denen sich Grit täglich auseinandersetzen muss, werden eindrücklich erzählt, ohne die Protagonistin zum Opfer zu machen. Denn nicht sie ist das Problem, sondern die Ignoranz und der Ableismus der Gesellschaft, in der sie lebt. Das gemeinsame Lernen von- und füreinander dieser beiden Figuren macht dabei Mut und zeigt, wie prägend Freundschaften sein können. Zusätzlich steht hier ein junger Mann im Zentrum der Geschichte, der ganz ohne männliche Klischees und voller Feinheit erzählt wird.
Wärmste Empfehlung!
Judith Mohr: I wie immer ich. 255 Seiten. Verlag Freies Geistesleben. Stuttgart, 2025. 18 Euro.
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