Ausgabe 10/23

Salutogenese

Daniela von Pfulstein
Daniela von Pfuhlstein

Als Vater des Begriffs der Salutogenese gilt Aaron Antonovsky, ein amerikanisch-israelischer Soziologe (1934-1994). Grundlage war seine Forschungsarbeit zu überlebenden Jüdinnen von Konzentrationslagern. Ihm fiel auf, dass rund ein Drittel dieser Frauen, die 1939 zwischen 16 und 25 Jahren alt waren, trotz der extremen, existenziellen Belastungen, ihren psychischen Zustand in den 1960er Jahren selbst als gut bezeichneten. Daraufhin erforschte Antonovsky, welche Faktoren zu diesen nachhaltigen psychischen Ressourcen führen und entwickelte das von ihm als Kohärenzsinn bezeichnete Konzept. Antonovsky benannte drei Komponenten, die zusammen den Kohärenzsinn bilden:
Sinnhaftigkeit: Die Aufgaben im Leben ergeben Sinn. Die Stärke der Kohärenz ist direkt an die Stärke eines Sinnbezugs im größeren Kontext gekoppelt.
Handhabbarkeit: Vertrauen in sich selbst haben, Herausforderungen aus eigener Kraft oder mit der Unterstützung anderer bewältigen zu können. Die Person erlebt, dass sie, auch mit ihrem sozialen Umfeld die Gegebenheiten bewältigen und verändern kann.
Verstehbarkeit: Dies bezeichnet die Fähigkeit, die Zusammenhänge des Lebens zu verstehen. Wer Begründung findet, geht davon aus, dass auch künftig eintretende Ereignisse rational eingeordnet und erklärt werden können.
Vereinfacht ausgedrückt, kann Salutogenese als Entstehung und Erhaltung von Gesundheit bezeichnet werden. Sie definiert Gesundheit mit biopsychosozialen Komponenten – ganz im Sinne der modernen Sichtweise der Weltgesundheitsorganisation, die bereits bei ihrer Gründung 1948 in ihrer Präambel Gesundheit als «ein Zustand völligen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens, und nicht nur das Freisein von Krankheit und Gebrechen», definierte. Inzwischen wird der Begriff der Salutogenese in vielen wissenschaftlichen Fachbereichen genutzt, etwa in der Soziologie und Psychologie oder in den Gesundheits- und Sportwissenschaften.
Für Rudolf Steiner war die Gesundheit, die auf der Auseinandersetzung mit den Herausforderungen des Lebens auf geistiger, seelischer und körperlicher Ebene basiert, von zentraler Bedeutung. Die Psychologie sieht ebenfalls den Zusammenhang zwischen Körper und Geist als elementar bei der Prävention von Krankheiten. Daher erfährt Resilienz, die emotionale Stabilität und Widerstandsfähigkeit, große Beachtung, nicht nur in der Kinder- und Jugendpsychologie, sondern auch im unternehmerischen Umfeld.

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