Ausgabe 01-02/26

Sprache der Seele

Angelika Lonnemann


Diese Tagungen sind auf eine intensive Weise informativ und kommunikativ und geprägt durch sehr langes kollektives Sitzen in schönen Sälen. Wenn dann eine Musiklehrerin auf die Bühne kommt und uns anleitet, für ein paar Minuten mehrstimmig mit ihr zu singen, dann atmen alle im Saal kräftig ein, während sie vorfreudig aufstehen. Das letzte Mal, in Gladbeck, sangen wir unter der dynamischen Leitung von Christina Brinkmann «Un poquito cantas» und bei mir pflanzten diese Minuten für den Rest der Tagung einen Ohrwurm in den Kopf.

Singen hat an Waldorfschulen eine lange Tradition. In der Klassenlehrer:innenzeit singen die meisten Klassen jeden Morgen, es gibt Chöre oder Ensembles an der Schule, die zu großen Konzerten im Jahreskreis einladen. Singen ist gesund, unter anderem, weil wir dabei in der Regel länger aus- als einatmen. Andererseits hört man von manchen Waldorfschulen, dass es dort keinen Chor mehr gibt. Unser Autor, der Musikprofessor Iru Mun, reflektiert über das Singen als eine der ursprünglichsten Ausdrucksformen des Menschen, die eine tiefgreifende Wirkung auf die Seele hat. Die Klassenlehrerin Hiltrud Kamolz erläutert in ihrem Beitrag die Veränderungen in der Singkultur über die Jahre hinweg und zeigt, dass Musik und Gesang auch eine Möglichkeit sind, die eigene Position in der Welt zu finden und zu stärken. 

Barbara Hoos de Jokisch ist Gesangspädagogin und beschreibt in ihrem Text unter anderem den Unterschied zwischen Singen und Sprechen. Der Musiklehrer Tobias Gräff hat mit Elftklässler:innen das Solosingen geübt und berichtet davon, wie dabei tiefes Selbstvertrauen sowie die Erkenntnis, auch scheinbar unüberwindbare Herausforderungen meistern zu können, entstehen können.

​Viele weitere Texte in dieser Ausgabe möchte ich Ihnen empfehlen: wir berichten über das Waldpraktikum in der neunten Klasse der Freien Waldorfschule Schwäbisch Hall, wo Ökologie und der Klassenzusammenhalt gefördert werden. Der Redakteur und Theaterclown Sebastian Jüngel beschreibt, wie die Clownerie Lehrkräften zu mehr Humor und Gelassenheit verhelfen kann. Der ehemalige Stuttgarter Waldorfschüler Laurens Pérol hat mit seinem ersten Spielfilm gleich ein paar Preise gewonnen. Beim Thementag «Waldorfschulen für Demokratie» in Leipzig lag der Fokus auf Aufklärung, Bildung und Haltung.

Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre und einen fröhlich klingenden Februar! 

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