Ausgabe 06/26

Transformationsfit werden

Hans Hutzel

Heute beschäftigen wir uns intensiv mit Trans-Formation. Wir wollen aus Cis-Land, das wir kennen, in einen transformierten Zustand, den wir noch nicht kennen und dazwischen liegt ein hoher, die Sicht versperrender Berg. Wir müssen uns fit machen, um diese Höhen zu erklimmen. Das betrifft viele Dimensionen der Gesellschaft, von der Mobilität über den Umgang mit simuliertem Bewusstsein – durch und in KI – bis hin zu neuen Systematiken der Sozialversicherungssysteme. Wie groß ist der Leidensdruck, den wir in Cis-Land empfinden? Es klemmt und hakt bei der Bahn, in Waldorfschulen und anderen Schulen,
beim Bildungsniveau und der Anstrengungsbereitschaft der Kolleg:innen und Studierenden. Übrigens klemmt es erstaunlicher­weise stets bei den anderen Kolleg:innen.

Wie stark ist die Anziehungskraft des noch unbekannten Trans-Landes? Wird es dort wirklich besser und spiele ich mit meinen bisherigen Aufgaben da überhaupt noch eine Rolle – als Vorstandsmitglied, als Lehrkraft, als Geschäftsführer:in? Will ich überhaupt Veränderung? Oder wäre es trotz aller Nickeligkeit und zu engem Alltagskorsett nicht doch angenehmer, im Cis-Land nur ein bisschen den Vorgarten zu verschönern?

Und wie hoch und schroff sind dann ja auch noch die Alpen! Die müssen erst mit Mühe, Schweiß und womöglich Tränen überwunden werden. Ich glaube, wir scheuen uns etwas, die Transformationsmuskeln mit ungewohnten neuen Bewegungsabläufen fit zu machen, damit wir uns aus der Ebene aufmachen und auf die Gratwanderung begeben. Achtung vor der latenten Absturzgefahr! Das braucht neue Ausrüstungen.

Und verlässliche Formen der Kommunikation, die uns sichern, wenn schon die Umwelt unsicher wird. Der Weg braucht vor allem die Bereitschaft, Ballast abzuwerfen sowie eingeübte Sicherheiten und Komfortzonen zu verlassen. Das gilt für die Transformation der Sozialsysteme, bei der Energiewende wie auch in den Gremienstrukturen des Bundes der Freien Waldorfschulen. Aus eigener Erfahrung mit dem befreienden Durchatmen und dem wundervollen 365-Grad-Blick auf dem Gipfel kann ich sagen, die Mühe lohnt sich. Und von oben geht es locker weiter runter ins Trans-Land. Dort wird  nicht alles besser sein, aber es fühlt sich frischer an und hält Optionen bereit. Ein verschwunden geglaubter Muskel, der Improvisationsmuskel der Freude am Unplanbaren, fühlt sich straff an und freut sich, von nun an täglich trainiert zu werden.

Kommentare

Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Kommentar hinzufügen

0 / 2000

Vielen Dank für Ihren Kommentar. Dieser wird nach Prüfung durch die Administrator:innen freigeschaltet.