2015 besuchte ich Manar und Milad in ihrem Heimatort Al Aizeria, südlich von Jerusalem. 2007, während die Sperranlagen der Israelis immer mehr Felder, Brunnen, Ortsteile und ganze Dörfer aus dem Westjordanland herausschnitten und Israel einverleibten, hatten die beiden zusammen mit einem dritten Aktivisten das House of Hope gegründet, eine Bildungseinrichtung, mit welcher der zunehmenden Trostlosigkeit etwas entgegengesetzt werden sollte. Manar und ihre Familie wohnten direkt neben der Mauer und einem Tor, das sich immer wieder öffnete und Soldaten, Militärfahrzeuge und Tränengaspatronen ins Dorf spülte.
Inzwischen hatte Manar für sich entdeckt, dass Waldorfpädagogik wichtige Merkmale von Traumapädagogik enthält, etwas, was die Kinder in der Westbank dringend brauchten (siehe das auf diesen Text folgende Interview). Sie absolvierte in Jerusalem eine Waldorf-
ausbildung – sie und ihr Mann sprechen fließend Hebräisch – und verwandelte ihren Kindergarten anschließend in den ersten von der Autonomiebehörde anerkannten Waldorfkindergarten des Westjordanlandes. Dabei wurde sie auch von jüdischen Waldorfpädagog:innen in Israel unterstützt. Die Gründung einer Grundschule ist aufgrund der gesetzlichen Vorgaben der palästinensischen Autonomiebehörde viel schwieriger.
Finanziell war das House of Hope oft in seiner Existenz bedroht, seit dem 7. Oktober 2023 ist die Lage besonders gefährlich: viele palästinensische Eltern haben ihre Arbeit in Israel verloren oder können sich wegen der zunehmenden Übergriffe radikaler Siedler nicht mehr an ihre Arbeitsstelle begeben. Etliche haben wegen der Übergriffe und Zerstörungen ihre Lebensgrundlage verloren. So können sie das ohnehin bescheidene Schulgeld nicht mehr bezahlen. Von den Behörden hat die Bildungseinrichtung zwar Anerkennung, aber nie eine finanzielle Zuwendung erhalten. In dieser Situation hat die Waldorfstiftung aus ihrem Auslandsfond einmalig die Arbeit des House of Hope unterstützt. Zudem gibt es einen kleinen Förderverein mit Sitz in Österreich.
Ausgabe 03/26
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