Ausgabe 03/26

Üben ist blöd – Können macht viel mehr Spaß!

Susanne Bregenzer


Üben ist für jeden Menschen ganz anders und es ist jeden Tag ganz anders. Das bedeutet oft einen Drahtseilakt in High Heels und unten warten Krokodile. Bissige. Wo das eine Kind einfach übt, ohne große Diskussion, ist es mit dem anderen Kind eine wahre Kunst, diesen einen Augenblick abzupassen, in dem das Üben möglich wird. Vielleicht übt es gerade etwas anderes? Außerdem ist das Fußballspielen so schön, heute die Freundin zu Besuch, keine Zeit und noch so viel Hausaufgaben und überhaupt ist Üben blöd! Können macht viel mehr Spaß!

Was braucht es denn, um das Üben zu unterstützen und möglich zu machen? Druck? Keinen Druck? Ein bisschen Druck zur richtigen Zeit? Und wann ist eigentlich die richtige Zeit? Wie bei einer Pflanze ist die Basis wichtig, nahrhafte Erde, in der sie wachsen kann: Zeit, Raum, positive Zuwendung, vielleicht sogar ein wenig Langeweile und ganz viel Motivation. Die Pflanze ist am Anfang klein und sehr zerbrechlich, aber mit der richtigen Nahrung wächst sie, wird größer und stärker und steht ohne Unterstützung. Und wie kommt man da hin? «Motivation! Die Motivation bitte! Los! Hab endlich Spaß! Verdammt!» Nein, so funktioniert es leider nicht.

Gut ist, wenn das Kind die Eltern üben sieht. Ich glaube, es muss kein Instrument sein, was die Eltern da üben. Es kann auch etwas ganz anderes sein, solange es nur sichtbar macht, dass Üben auch Anstrengung ist, dass Üben auch Freude machen kann, dass Üben auch mal blöd ist (ja, warum eigentlich nicht?) und dass mit dem Üben das Können kommt. Und Können macht Spaß. 

Gut ist, wenn das Kind die Musik erleben, hören, spielen und fühlen kann, am besten mit anderen zusammen. Kammermusik, Begleitung, Straßenmusik, Spielen vor Großeltern an Weihnachten oder gemeinsam mit Freund:innen. Bewundert zu werden von Klassenkamerad:innen, oder die Freude zu erleben, im Orchester zu spielen. Lieder zu spielen, die das Kind selber mag und auf die es schon immer hingefiebert hat. Gut ist, wenn die so wertvolle Beziehung zum Instrumentallehrer schwingt, wenn das Kind einmal im Alltag eine Lehrkraft ganz für sich hat. Die auf es eingeht, es wahrnimmt, auch mal ein Schwätzchen einlegt oder spürt, wie es dem Kind geht. Andere Bezugspersonen als die Eltern, bei denen man sich vielleicht mehr anstrengt, das Beste gibt und von sich zeigt und denen man auch viel lieber nacheifert als den eigenen Eltern. 

Letztendlich ist Üben das halbe Leben. Und ist es nicht genial, wenn unsere Kinder «das halbe Leben» schon jetzt zu meistern lernen? 

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