Ausgabe 09/26

Verantwortung teilen

Angelika Lonnemann
Mütter streichen Waldorfschulflure, Baby mit dabei. Bildquelle: Charlotte Fischer


In jener Zeit sind so quasi nebenher noch weitere Freundschaften entstanden, die bis heute andauern, auch wenn die Kinder längst erwachsen sind. Gelegenheiten hatte ich viele: im Arbeitskreis Öffentlichkeitsarbeit, auf Ausflügen, beim Kürbissuppe-Kochen für den Basar oder beim Jäten und Ernten im Schulgarten. 

Ich war auch Mutter eines Schülers an einer staatlichen Schule – dort gab es zwar auch mal Kontakte, aber die Frequenz der Treffen in der Waldorfschule war so hoch, dass es kaum verhindert werden konnte, Lehrkräfte oder andere Eltern auch privat kennenzulernen.

An Waldorfschulen engagieren sich viele Menschen ehrenamtlich. Sie bereiten Feste vor, sie streichen Klassenzimmerwände oder entwickeln die Schul-Homepage. Wenn wir Eltern und die Lehrkräfte das gemeinsam tun, dann gibt es für viele Werte und Qualitäten gewissermaßen nebenher Zeit und Raum, sich zu entwickeln: Wir üben uns in Wertschätzung, wir führen individuelle Gespräche, im besten Fall entwickeln sich Offenheit, Ehrlichkeit und Vertrauen. Auch ohne ehrenamtliches Engagement tragen an Waldorfschulen, mehr als an vielen anderen Schulen, Eltern und Pädagog:innen gemeinsam dafür Sorge, dass alle Kinder optimale Bedingungen für ihre Entwicklung bekommen. Wenn das erreicht wird, können Kinder erleben: Die Erwachsenen um mich herum ziehen gemeinsam an einem Strang. Auch wir Redakteurinnen der Erziehungskunst möchten mit unserem Magazin die Erziehungspartnerschaft zwischen Schule und Elternhaus stärken.

Waldorfschulen beginnen in der Regel schon vor der Einschulung mit der Erziehungspartnerschaft. Unsere Mitarbeiterin Katrin Kühne beschreibt die Phasen der Einschulung anhand zweier Beispielschulen. Meine Kollegin Ines Lechner hat sich mit zwei Klassenlehrerinnen über die Erziehungspartnerschaft aus Lehrer:innenperspektive unterhalten. Gleichzeitig müssen heute allerdings manchmal auch Schutzräume für Pädagog:innen geschaffen werden, das ist vor allem eine Aufgabe der Schule. So manche neue Lehrkraft gibt entnervt den Job wieder auf, weil sie von Mails oder Kurznachrichten von Eltern überflutet wird. Und manche Schüler:innen verlassen die Schule, wenn das enge Verhältnis von Eltern und Lehrkräften in der Mittelstufe zerbricht, siehe den Text von Juri Kirstein. Außerdem haben wir teils sehr berührende Protokolle von Eltern aufgeschrieben, die uns von ihren Erfahrungen erzählt haben. 

Auch sonst finden Sie viel Wichtiges und Schönes in diesem Heft, viel Spaß beim Entdecken!

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