Und da weint sie, wobei Baumtränen etwas anders sind als menschliche Tränen. Sie sind wie ganz viele kleine Briefe. Die Tränen der Douglasie gelangen samt ihrer Nachricht über ihre Wurzeln tief in den Waldboden und verschicken damit einen Hilferuf an alle Bäume des Waldes: die Douglasie hat Durst! Wer kann Wasser schicken? Erst tief im Wald findet sich eine Birke, die genug Wasser hat und über das Wurzelsystem Wasser zur Douglasie schickt. Die freut sich und wächst weiter. Eigentlich alles gut, nur, dass sie in der Schuld der Birke steht, beschäftigt die Douglasie. Sie würde sich so gerne revanchieren. Die Gelegenheit bietet sich bald: die Birke braucht Zucker! Und über das Nachrichtensystem der Bäume erfährt die Douglasie von der Not der Birke und hilft aus. Sie schickt Zucker über das Wurzelsystem bis zur Birke.
Was für ein spannendes Thema: ein kommunizierender Wald. Der Austausch von Douglasie und Birke gibt uns ein Beispiel, wie Kommunikation zwischen Organismen aussehen kann. Die inhaltliche Setzung macht neugierig, sich mit Verständigung zwischen Pflanzen zu befassen. Auch das kleine, sehr niedrigschwellige Glossar am Ende macht Spaß: somit wird noch einmal eingeordnet, wie sich die Geschichte in die Biologie einordnen lässt. Und wir lernen, was ein Laubbaum ist und was Symbiose macht.
Die Bilder helfen uns, den Weg der Nachricht durch den Wald zu verfolgen. Dabei sind die Seiten in sattem Grün und Brauntönen gehalten und machen Lust auf einen Waldspaziergang. Mehr Genuss und, wer weiß vielleicht auch Erkenntnisgewinn gäbe es mit einem etwas anspruchsvolleren Text.
Lucy Brownridge, Hannah Abbo: Der kleine Baum und das Wood Wide Web, 32 Seiten, Verlag Freies Geistesleben 2024, 16 Euro, empfohlen ab 5 Jahren.
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