Ausgabe 12/25

Werte, die verbinden

Angelika Lonnemann


Gewaltlosigkeit, Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit und gegenseitiger Respekt sind universelle ethische Grundwerte, die in allen großen Religionen zu finden sind. Wie die Menschen in den einzelnen Religionsgemeinschaften diese Regeln deuten und für wen sie gelten, ist dann nochmal ein ganz anderes Thema. In den monotheistischen Religionen hat das zu grausamen Feldzügen und Kriegen geführt. 

Vor einiger Zeit erhielt der Soziologe Hartmut Rosa viel Aufmerksamkeit für eine interessante These: Demokratie brauche eine religiös inspirierte Haltung, die auf Resonanz, Offenheit und die Bereitschaft, sich von anderen berühren und verwandeln zu lassen, gründet. Rosas Argument besagt, dass Religion ein Ideenreservoir und rituelle Praktiken bereitstellt, die die Fähigkeit zum «hörenden Herzen» fördern – also die Fähigkeit, andere Stimmen nicht nur zu hören, sondern sie auch tiefgreifend wirken zu lassen. Dies sei eine notwendige Grundlage, damit Demokratie funktionieren kann. Für mich ist das ein Argument, Religionsunterricht in den Schulen noch mehr Bedeutung zu geben.

Hierzulande verlieren die beiden großen Kirchen immer mehr an Mitgliedern, Bedeutung und Einfluss. Religion oder religiöse Rituale spielen in vielen Familien kaum mehr eine Rolle. An den meisten Waldorfschulen können Eltern entscheiden, ob ihr Kind den evangelischen, den katholischen, den Religionsunterricht der Christengemeinschaft oder den freien Religionsunterricht besuchen soll. In diesem Heft widmen wir uns unter anderem der Frage, ob diese Praxis noch zeitgemäß ist oder ob es möglich wäre, die Verbindung von Geistigem und Materiellem erstens religionsübergreifend zu stiften und zweitens auch außerhalb eines Religionsunterrichtes zu vermitteln.

Wie würden sich Parzival und die Ritter der Tafelrunde heute wohl unterhalten? Die Deutschlehrerin Meike Weimar hat mit ihrer Klasse multimedialen Projektunterricht gemacht – und dabei spannende Erfahrungen gesammelt.
 
Als Rudolf Steiner 1925 stirbt, hinterlässt er kein abgeschlossenes Werk zur Anthroposophie. Unser Autor Tomáš Zdražil leitet daraus in seinem Text die Forderung ab, Waldorfschulen müssten sich entsprechend der Entwicklungsdynamik der Anthroposophie und dem gesellschaftlichen Kulturwandel stets lebendig wandeln.

Auch sonst haben wir wieder eine Menge schöner Texte für Sie zusammengestellt.

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre und einen Dezember der hörenden Herzen! 

Kommentare

Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Kommentar hinzufügen

0 / 2000

Vielen Dank für Ihren Kommentar. Dieser wird nach Prüfung durch die Administrator:innen freigeschaltet.