Ausgabe 07-08/23

Wi-Fi wird Li-Fi. Kommunikation mit Lichtgeschwindigkeit

Daniela von Pfulstein
Daniela von Pfuhlstein
Eine Lichtquelle unter der Decke und ein Detektor auf dem Tisch sorgen für die Übertragung der Daten.

Light Fidelity (Li-Fi) bedeutet im Deutschen Lichttreue. Die Funktionsweise von Li-Fi ist einfach: Ein LED-basiertes Lichtsystem emittiert Datenwellen, die durch einen Fotodetektor wieder gelesen werden. Die schnellen Umschaltzeiten zwischen Ein und Aus des Lichtes übertragen die Daten. So können Daten schneller und sicherer übertragen werden als mit der herkömmlichen WLAN-Technik. Darüber hinaus hat Li-Fi den Vorteil, dass es weniger störanfällig ist und noch dazu strahlungsfrei. Noch wird die neue Technologie in Deutschland primär in der Forschung und Entwicklung getestet. Einige Unternehmen haben Li-Fi-Module bereits im Einsatz.

Zu den ersten Nutzerinnen der neuen Technologie zählt auch die Freie Waldorfschule am Prenzlauer Berg in Berlin. Dort ist seit Ende letzten Jahres die Technologie von Signify im Einsatz. «Bei Computerarbeit 16 bis 25 Rechner ins Schulnetz einzuloggen, unter Umständen auch noch Onlinerecherchen zu leisten, war immer eine Herausforderung. Die Laptops der Schüler:innen im Klassenraum mit langen Netzwerkkabeln zu versorgen, ist sehr unpraktisch und eine für unsere Bedürfnisse hohe Anzahl an WLAN-Routern verbunden mit den Funksignalen im ganzen Gebäude schien uns nicht überzeugend», erläutert Esther Knoblich, Geschäftsführerin der Schule. Durch die engagierte Recherche eines Kollegen wurde die Schule auf die Trulifi Technologie des Unternehmens Signify aufmerksam. Finanziert werden konnte die Ausstattung von sieben Klassenzimmern, einem Konferenzraum sowie einem Fachraum für die Oberstufe durch die Bundesfördermittel aus dem DigitalPakt Schule 2019 bis 2024. Insgesamt stehen 140.000 Euro mit einem Eigenanteil der Schule in Höhe von zehn Prozent zur Verfügung, davon sind 58.000 Euro in die Installation des Trulifi geflossen. «Unser Umstieg vom Kabel oder WLAN auf Li-Fi ist sehr gut und einfach vonstattengegangen und die Kolleg:innen nutzen das neue System auch, ohne dass es einer aufwändigen technischen Einführung bedurfte. Ganz besonders freuen wir uns darüber, dass es jetzt möglich ist, eine Klasse für einzelne Unterrichtsstunden mit Netzzugang zu versorgen, der ausschließlich innerhalb des Klassenraums verbleibt», freut sich Knoblich. Trulifi ist in weiteren schulischen Einrichtungen in Belgien, Deutschland, Italien, den Niederlanden und USA im Einsatz.

Ein weiterer Anbieter ist das Fraunhofer HHI, das Li-Fi von Grund auf entwickelt hat, eine Standardisierung der Technologie anstrebt und den Transfer in die Anwendung unterstützt. Derzeit finden einige Pilotprojekte in realen Betriebsumgebungen statt. Eine der weltweit ersten Installationen im schulischen Umfeld wurde bereits 2017 am Hegel Gymnasium in Stuttgart eingerichtet. Götz Kemner, Abteilungsleiter für Medienentwicklung am Gymnasium, erläutert: «Vor der Einführung im Unterricht fanden sowohl ein technischer als auch ein pädagogischer Workshop statt. Ein normales Klassenzimmer wurde mit der entsprechenden Technik, Beamer, Drucker und Laptops ausgestattet.» Das wissenschaftlich begleitete Pilotprojekte endete 2020. Während der zweijährigen Pilotphase zeigte sich eine gute Kompatibilität mit den gängigen Endgeräten und das System lief fehlerfrei. Das System gehörte daher bis 2020 zum normalen Schulalltag am Hegel Gymnasium. Mittlerweile ist die Schule nahezu komplett mit WLAN ausgestattet, was, wegen des geringeren Aufwands im Unterricht, für die meisten Lehrkräfte und Schüler:innen, der bevorzugte Weg ins Internet ist. Es gibt einige weitere Anbieter von Li-Fi-Technologie, beispielsweise Oledcomm in Frankreich und PureLiFi in Großbritannien.

Das Fraunhofer Institut ist sehr an weitere Pilotinstallationen interessiert, da diese einerseits die Alltagstauglichkeit der Li-Fi Technologie demonstrieren und andererseits eine anwenderorientierte Entwicklung möglich machen. Für Anfragen steht Dr. Anagnostis Paraskevopoulos (anagnostis.paraskevopoulos@hhi.fraunhofer.de, 030 31002-527) zur Verfügung.

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