Ausgabe 10/26

Wo Bücher eine Nische finden

Gehört zu den aktuellen Publikationen: Hope von Kavita Desai. Bild: Pädagogische Forschungsstelle

Marika Stauch streicht mit der flachen Hand über die aufgeschlagene Seite in einem Heft. Dann nimmt sie das Papier zwischen Daumen, Zeige- und Mittelfinger, reibt es vorsichtig dazwischen. «Das ist ein gestrichenes Papier», sagt sie. «Das kann man nicht nur sehen, sondern auch fühlen.» Vor ihr liegt eine neue Lektüre für den Englischunterricht. «Und genau deshalb haben wir uns für ein gestrichenes Papier entschieden. Gestrichene Papiere werden nach der Herstellung mit einem Bindemittel überzogen. Ihre Oberfläche ist dadurch quasi versiegelt, für das tägliche Hin und Her im Schulranzen ist das praktisch», erklärt sie.

Wenn Unterricht in ein Buch mündet

Die Bücher aus dem Verlag der Forschungsstelle müssen keinen Gewinn erwirtschaften, weil die Forschungsstelle kein Unternehmen ist. «Eine schwarze Null am Ende genügt», so Stauch. «Was ich hier besonders schätze, sind das Abwägen und die Sorgfalt für das einzelne Buch bis ins kleinste Detail. So können auch Bücher entstehen, die geringe Auflagen haben und die es in andere Verlage aus wirtschaftlichen Gründen nicht schaffen würden», sagt sie. In der Regel gehen die Bücher aus einem Forschungsprojekt hervor, bilden deren Schlusspunkt. Die Autor:innen sind oft Lehrkräfte, die aus ihren Erfahrungen in der Praxis schreiben. «Das kann eine aus dem eigenen Deutschunterricht entwickelte Neuübersetzung des Parzival sein oder die Sammlung von langjährig genutzten französischen Liedern und Gedichten. Wichtig ist uns dabei immer auch die Verbindung mit den waldorfpädagogischen Grundlagen», erläutert Stauch. Auch Übersetzungen spielen in dem kleinen Verlag eine Rolle. «Die Lizenzen für Übersetzungen vergeben wir kostenfrei, in der Regel an ebenfalls nicht gewinnorientiert
arbeitende Waldorf-Institutionen im Ausland», sagt Stauch.

Aus einem Guss

Ob es um die Typo, Illustrationen oder das Cover geht – alles geschieht in enger Abstimmung mit den Autor:innen. Diese liefern häufig sogar die Illustrationen zu ihren Werken selbst. «Viele Menschen in der Waldorfszene sind sehr kunstaffin und so kann manchmal alles aus einem Guss entstehen», berichtet Stauch. In der Zukunft möchte der Verlag noch mehr multimediale Publikationen entwickeln – Bücher etwa, die Links oder QR-Codes zu weiterführendem Bild-, Ton- und Videomaterial enthalten. Dafür werden immer wieder neue Ideen und Ansätze gesucht. «Wir haben eine Reihe renommierter Autor:innen, die wir sehr schätzen. Gleichzeitig wünschen wir uns frische und wache Standpunkte zur Waldorfpädagogik. Deshalb sind neue Menschen uns für eine Zusammenarbeit immer willkommen», sagt Stauch. ‹›

Kommentare

Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Kommentar hinzufügen

0 / 2000

Vielen Dank für Ihren Kommentar. Dieser wird nach Prüfung durch die Administrator:innen freigeschaltet.