Augenblick

Von Anouk Lentz, September 2014

Wie alle grundlegend wichtigen und schwer wiegenden Dinge ist auch die Schönheit als solche zu komplex, um sie einfach beschreiben zu können. Ein Begriff, so flüchtig und ungreifbar, dass bereits seit Jahrtausenden Philosophen, Dichter und Denker versuchten, sie zu definieren.

Foto: © Lorenzo Ravagli

Für mich liegt die Schönheit im Auge des Betrachters, und zwar nicht nur insofern als das Gefühl für Schönheit bei jedem Menschen ein individuelles ist, sondern auch als es sehr zentral mit der eigenen Einstellung zu tun hat, was man als schön empfindet. In jedem Ding, in jeder Kleinigkeit kann man Schönheit entdecken, wenn man denn will, – sie ist überall. Im Inneren wie im Äußeren, in der Natur, in der liebevollen Geste eines Menschen, in einem Augenblick des Staunens.

Für mich ist ein Mensch gerade dann am schönsten, wenn er nicht zwanghaft versucht, so zu erscheinen. Das Streben nach Schönheit verdeckt oft die eigentliche Schönheit eines Menschen durch den Versuch, makellos zu sein. Für mich sind es aber gerade Unebenheiten, die jeden Menschen auf seine Weise schön machen. Ehrlich zu sich selbst zu stehen, mit Schwächen und Makeln, das sind für mich Augenblicke, in denen man die Schönheit eines Menschen entdeckt.

Erkennen wir die Schönheit eines Augenblicks – eines Menschen, eines Gefühls oder einer Geste –, so staunen wir im Anblick des Zaubers, der ihr innewohnt. Andacht, stilles Glück, Liebe und Mitgefühl, Verständnis – all das kann Schönheit in uns auslösen. So lasst uns alle der Schönheit mehr bewusst werden und mit offenen Augen durch die Welt gehen, sie suchen und erkennen lernen und wertschätzen als das unglaubliche Staunen über das Wunder der Welt.

Die Autorin: Anouk Lentz (www.weltenwandererimzeitenwandel.tumblr.com) besucht die 12. Klasse der Freien Waldorfschule Ismaning.

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