Pfiffiges Kinderbuch

Von Hella Kettnaker, Juni 2020

Schlechte Aussichten für Chelsea und Jordan aus Gotha. Eigentlich hätten die zehnjährigen Zwillinge ihre Ferien bei den Großeltern in Afrika verbringen sollen.

Aber bei der Rückkehr aus der Schule finden sie nicht ihre Mutter, sondern nur einen Brief von ihr vor. Nach langer Arbeitslosigkeit hat sie plötzlich einen Job in der Südsee bekommen und deswegen müssen die beiden zu Hause bleiben. Mit dem Haushaltsgeld aus dem Gurkenglas (knappe 20 Euro) sollen sie in der nächsten Woche über die Runden kommen. Der Strom ist sowieso abgestellt. Also gehen die beiden erst einmal einkaufen und braten beim Abendessen Marshmallows über der Kerze. In dieser knappen und verblüffenden Einführung bleiben viele Fragen offen, die sich aber nach und nach klären.

Ganz krimimäßig spielt die nächste Station der Ferien im Untergrund der örtlichen Burg Friedenstein, wohin – sehr mysteriös – Mutters Handyklingelton die Kinder geleitet hat. Dort geschehen spannende Dinge wie die Suche nach Hänsel Tausendschöns Schatz. Vieles ist nicht so, wie es im ersten Augenblick scheint. Das quirlige Barockfest auf der Burg rundet die Geschichte ab und bringt Klärung in vieler Beziehung.

Insgesamt ein sehr pfiffiges Kinderbuch, das zwischen Vielleicht-Märchen und Krimi pendelt. Es spart soziale Härten und Missstände nicht aus. Bevölkert ist es mit warmherzigen, resoluten und pragmatischen, hinterhältigen, skurrilen und eben sehr menschlichen Wesen, die sich in ihrem Umfeld tapfer schlagen. Letztlich stehen sie alle Seite an Seite in einem unerwartet guten Ende.

Und wo bitte ist Gotha? Irgendwo zwischen Tröchtelborn und Hörselgau oder – bekannter – zwischen Göttingen und Hof. Da die Autorin dort als Stipendiatin für mehrere Monate gelebt hat, kennt sie sich in der Geschichte des Ortes prima aus und hat einige Ereignisse in ihr bereits zwölftes Buch einfließen lassen. Durch ihre Arbeit im sozialpädagogischen Bereich hat sie eine realistische Basis und genügend Futter für ihre Ideen, die fröhlich und leichtfüßig durchs Buch hüpfen. Acht Jahre als Lesealter kommen mir früh vor, ein oder zwei Jahre älter scheinen mir geeigneter. Der Einband in leuchtendem Orange-Gelb mit zwei scherenschnittartigen Kindern passt zum Inhalt und macht Lust aufs Lesen.

Sonja Ruf: Mallows oder Katzengrütze, geb., 168 S., EUR 16,–, Fabulus Verlag, Fellbach 2019

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