Kompetenzzentrum für Interkulturelle Pädagogik geplant

Von Christoph Doll, Juli 2016

Im Februar 2016 hat ein erstes Gespräch im Seminar für Waldorfpädagogik in Berlin zum Thema: »Wie gestaltet sich der Alltag mit Flüchtlingskindern?« stattgefunden; 14 Initiativen waren gekommen. Schnell war klar, dass ein großer Teil der Arbeit im »learning by doing«-Verfahren geleistet werden muss.

Besondere pädagogische Herausforderungen birgt die Arbeit mit traumatisierten Kindern (und Eltern), da kaum Vorkenntnisse in diesem Bereich vorliegen.

Was ist Waldorfnorm?

Ein zweites Plattformgespräch zeigte, dass die Arbeit mit Flüchtlingen allmählich zum Alltag wird. Die meisten Kinder bleiben für längere Zeit und erleben Halt in den Schulen. Alltagsfragen tauchen auf, Beteiligungen in verschiedenen Unterrichten werden möglich und nun zeigen sich die Wirkungen der traumatischen Erlebnisse deutlicher, die Verarbeitung beginnt. Sekundäre Traumatisierungen werden sichtbar, psychohygienische Maßnahmen nötig. Die betroffenen Lehrer sind meist noch »Einzelkämpfer«, kollegialer Austausch und Vernetzung sind unerlässlich.

Zunehmend werden interkulturelle Kompetenzen gefragt. Wie gestaltet man Begegnungsfelder und begleitet sie? Müssen Rituale und Feste neu ergriffen werden oder integrieren sich alle in das Gegebene? Müssen sich alle in die »Waldorf-Normen« fügen? Wie können wir die Eltern der Schule und die Flüchtlingseltern erreichen? Wie sensibilisieren wir uns für die Leitmotive einer interkulturellen Pädagogik, das heißt dafür, dass alle Menschen ungeachtet ihrer Herkunft gleich sind, dass wir Andersheit respektieren und uns zum Verstehen und Dialog befähigen? Diese Leitmotive haben Konsequenzen für die pädagogischen Institutionen, deren Leitbilder, Lehrpläne, Personal und Kooperationsformen. Für diese Reformprozesse bedarf es dringend einer Weiterbildung.

Weiterbildungsangebot für Interkulturelle Pädagogik

Anfang Mai trafen sich Pädagogen aus interkulturellen Einrichtungen, den Fachschulen und Kindergartenseminaren Berlin, Hamburg und Kassel sowie Dozenten der Lehrerseminare Berlin, Hamburg und Kiel, um die Idee eines Kompetenzzentrums »Interkulturelle Pädagogik« konkret umzusetzen. Zur Zeit geht es um die Bereitstellung von Weiterbildungsformaten für alle pädagogischen Jahre – also von 0 bis 21. Was sich weiterhin daraus entwickelt, ist noch nicht absehbar – allerdings ist die Bedeutung dieses pädagogischen Bereiches unstrittig.

Eine Frage, die wir uns gestellt haben, lautet: Nehmen wir durch die Anwesenheit der Kinder aus anderen Herkunftsländern Veränderungen in unserem Schulganzen wahr und kommt gar ein frischer Schwung in unsere Bewegung … und das nach 100 Jahren?

Zum Autor: Christoph Doll ist Dozent am Seminar für Waldorfpädagogik Berlin.

Kontakt: christoph.doll(at)waldorfseminar.berlin

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